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Die Wetterprognosen, der Beginn der Ferien in Hamburg, die Verkehrsüberlastung am Gotthard oder auch sein Bauchgefühl: Diese und unzählige weitere Werte lässt der Leiter des Autoverlads Vereina, Simon Rohner, in seine Planung einfliessen.

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Das Leben stellt die Weichen manchmal sehr seltsam. Simon Rohner auf jeden Fall ist von Lavin im Engadin über Freiburg, Bern und ein paar weitere Stationen wieder am Ausgangsbahnhof gelandet. Und das ist gut so, sonst wäre der RhB dieser Mann entgangen, der heute als Leiter des Autoverlads Vereina täglich zuverlässig unterschiedlichste Fahrzeuge vom Prättigau ins Unterengadin und retour durch den Tunnel schleust. Doch diese Berufsbezeichnung trifft es nur sehr unvollständig, denn Rohner ist viel mehr als das.
Aber alles der Reihe nach.


«Als ich 14 Jahre alt war, zogen meine Eltern berufsbedingt von Lavin weg. In die Westschweiz eben. Doch ich habe den Kontakt zu den Bergen und den Menschen in dem kleinen Dorf nie verloren. Und irgendwie wusste ich, dass ich einmal zurückkehren würde», sagt der Mann, der neben Deutsch, Romanisch, Italienisch und Französisch auch Englisch spricht. Doch die Rückkehr erfolgte definitiv nicht im Schnellzug. Eigentlich sollte der Bub Simon aufs Gymi. Die Verkehrsschule in der Bundeshauptstadt und dann eine Lehre als Betriebsdisponent bei der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) waren allerdings verlockender. Heute gibt es diesen Beruf so gar nicht mehr. Aber wer diese Lehre abschloss, wusste danach so ziemlich alles, was es über das Bahnwesen zu wissen gibt.


500 000 Fahrzeuge pro Jahr
Während Rohner erzählt, wirft er immer mal wieder einen Blick auf den Verladebahnhof Selfranga bei Klosters, wo sein Büro ist. Auf einmal meint er: «Wir sind heute nicht so viele Leute, ich muss einspringen.» Sagt’s, legt die Warnweste an und dirigiert hier einen LKW auf den Zug, beantwortet dort eine Frage und tauscht ein paar Worte mit einem Mitarbeitenden. «Das ist es, was ich an meiner Arbeit so mag», sagt er später. «Ich bin ja nicht einfach ein Büromensch, sondern ein Allrounder und helfe, wo es gerade nötig ist.» Dann gibt er das Zeichen zur Abfahrt, 18 Minuten Fahrt durch den Tunnel von Nord nach Süd. Vom Prättigau ins Engadin. Rund 500 000 Autos, Lastwagen, Wohnmobile und Motorräder transportiert die RhB jährlich durch den Tunnel.

Scheinbar mühelos rollt ein Zug nach dem anderen durch den Vereina. Doch dahinter steckt eine ausgeklügelte Planung.

Scheinbar mühelos rollt ein Zug nach dem anderen durch den Vereina. Doch dahinter steckt eine ausgeklügelte Planung.

Beginn einer neuen Ära
Doch Moment, wir haben in der Geschichte von Rohner ein paar Haltestationen übersprungen, eigentlich ist sein Lebenszug noch gar nicht auf der Vereinastrecke angelangt. Nach der BLS finden die nächsten Zwischenhalte auf der RhB-Linie und zunächst im erlernten Beruf als Betriebsdisponent im heimatlichen Engadin statt, in Zernez, St. Moritz und in Scuol. Und hier beginnt die aufregende, spannende Vor-Vereina-Zeit. «Ab 1995 etwa war ich in die Vorbereitung und Organisation zum neuen Vereinatunnel involviert», erinnert sich Rohner. «Es galt, Personal für die Kassen und den Verlad zu rekrutieren, Einsatzpläne zu erstellen und alle möglichen und unmöglichen Eventualitäten durchzuexerzieren. Wir hatten ja keine Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen konnten.» Die intensive Vorbereitungsphase dauerte rund zwei Jahre. «Als dann am 19. November 1999 der erste offizielle Zug durch den Tunnel fuhr, war das ein Meilenstein für mich – etwas, das du im Leben nur einmal erlebst», erinnert sich der ruhige Mann. Nicht nur für ihn, sondern genauso für die RhB und vor allem für das Unterengadin war die Eröffnung des Vereinatunnels der Beginn einer neuen Ära: «Auf einmal war Chur über die Albulastrecke nicht mehr eine halbe Ewigkeit entfernt. Sogar das einst ferne Zürich war plötzlich in weniger als drei Stunden erreichbar. Wenn man heute mit den Einheimischen im Unterengadin spricht, sehnt sich keiner und keine in die Vor-Vereina-Zeit zurück.»


Ursache und Wirkung
Draussen rollt ein Zug nach dem anderen durch den Tunnel. Scheinbar problemlos. Doch dahinter steckt eine ausgeklügelte Planung, fast wie ein riesiges Puzzle. Vergisst Rohner bei dieser Planung auch nur ein einziges Puzzleteil, kann es schiefgehen. Schneit es etwa auf dem Julier stark, dann kommt eine Fahrzeuglawine auf den Vereinatunnel zu. Beginnen in einem grösseren deutschen Bundesland die Ferien, dann herrscht ein Tag später Hochbetrieb beim Autoverlad. «Am Anfang wussten wir hier manchmal selbst nicht so recht, warum plötzlich völlige Ebbe herrschte oder warum auf einmal eine Flut von Fahrzeugen auf uns zukam. Aber inzwischen haben wir Erfahrungswerte, die ich in die Planung einfliessen lassen kann», sagt der Leiter des Autoverlads, der eigentlich viel mehr ist als das. «Ich bin nicht nur für den Autoverlad, sondern auch für die RhB-Strecke auf der Engadiner Seite bis hinunter nach Scuol zuständig. Letzthin hat ein Sturm dort Bäume auf das Bahntrassee stürzen lassen. Dann bin ich mit dem für diese Fälle gebildeten Interventionsteam vor Ort gereist, um den Einsatz zu koordinieren.»


«Als der erste offizielle Zug durch den Tunnel fuhr, war das ein Meilenstein für mich.»


Und obwohl die Tage für Rohner an der Vereinastrecke manchmal lang, sehr lang, sind: Es gibt für ihn auch ein Leben jenseits der Arbeit. Denn er ist politisch tätig. Sein Dorf Lavin gehört zur politischen Gemeinde Zernez, und er ist im dortigen Gemeinderat für Tourismus und Sport zuständig. Daneben setzt er sich auch dafür ein, dass der Dorfladen – die Butia – in Lavin erhalten bleibt. «Der Laden ist so etwas wie die Lebensader meines Dorfes.» Rohner strahlt Ruhe aus und eine natürliche Herzlichkeit. Spricht man mit dem Mann, hat man das Gefühl, für ihn gibt es an erster Stelle nur «seinen» Tunnel. An der zweiten und dritten auch. Aber was ist, wenn sein Lebenszug dereinst in den Bahnhof einfährt, der mit «Pensionierung» angeschrieben ist? «Kein Problem», sagt der Bähnler mit Leib und Seele. «Ich liebe zwar meine Arbeit, der Vereina mit allem Drum und Dran ist mir ans Herz gewachsen. Aber es gibt noch eine Welt jenseits der Bahn und der Berge. Und die will ich zusammen mit meiner Frau entdecken.» Mit der Nordund der Ostsee, mit Sardinien und Korsika haben die beiden bereits begonnen. Es bleibt noch eine ganze Welt übrig.


Auszug aus dem Contura Herbst/Winter 2023-2024, das Magazin der Rhätischen Bahn
Text: Panta Rhei PR AG, Franz Bamert
Bilder: Nicola Pitaro


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