Kurz erklärt

Die Instandhaltung von Gleitlagern bei historischen Fahrzeugen

Erfahre in diesem Blog wie die Gleitlager der historischen Fahrzeuge bei der RhB vom Spezialisten Reto Mark instand gehalten werden.

Ivo Hutter, Leiter Rollmaterial, 27. Mai 2020

Was sind Gleitlager?

Gleitlager kommen meistens dort zum Einsatz, wo hohe Drehzahlen und Belastungen bei langer Lebensdauer erforderlich sind. Also zum Beispiel bei Turbinen, Pumpen oder wie bei uns bei den Rädern von historischen Fahrzeugen.

Im Gleitlager haben die beiden sich relativ zueinander bewegenden Teile direkten Kontakt - sie gleiten also aufeinander. Der entstehende Gleitwiderstand kann durch Schmierung niedrig gehalten werden. Dafür ist bei uns der Spezialist Reto Mark zuständig. 

«80Sn13Pb7Sb»

Was für Laien wie ein komplexer Code aussieht, ist die Bezeichnung der Zusammensetzung der verschiedenen Metalle, welche man für das Schmieren der Gleitlager benötigt: 80% Zinn, 13% Blei und 7% Antimon.

Während das Zinn und das Blei für gute Schmier- und Notlaufeigenschaften sorgen, erhöht das Antimon die Festigkeit des Weissmetalls. Dadurch steigt auch der Schmelzpunkt des Materials.

Und was genau macht nun der Fachmann für Gleitlager?

Das eigentliche Lagermetall wird in eine Bronzeschale gegossen. Bei neuen Lagern wird der Durchmesser bis auf 0.2 Millimeter genau vorgebohrt, der Rest wird mittels Schaben angepasst. Dadurch können kleine, leicht konische Fehler der Wellen ausgeglichen werden.

Mit dem Einschaben wird das Lager möglichst an dazugehörigen Wellen angepasst und es werden geringe Materialdicken abgetragen. Die Kontrolle über die Passgenauigkeit wird mittels Tuschierfarbe gemacht, welche auf der Welle aufgetragen wird und so in der Lagerschale die Berührungspunkte zeigt. Das Lager passt sich im Betrieb auf der Schiene danach selbst noch vollständig an. 

Beim Anfahren berühren sich die Oberflächen von Lager und Welle. Dadurch findet ein Verschleiss statt. Bei steigender Drehzahl bildet sich ein Schmierfilm, welcher das Lager trägt. Das Lager läuft nun berührungsfrei. Deshalb wird in der fertig geschabten Fläche noch ein sogenanntes «Tragbild» eingebracht. Dies sind kleine Vertiefungen, in welchen sich dann Schmiertaschen bilden. Dadurch wird das Lager immer gut durchgeschmiert. 

Die letzten Schritte

Die Schmierung der Lager geschieht durch ein Schmierpolster, welches im Lagerunterteil eingebaut ist. Das Polster wird mit Federn leicht gegen die Welle gedrückt. Es saugt über Wollfäden Öl aus dem Lagerunterteil an und gibt dieses an die Welle weiter (Unterschmierung).

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