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Medienmitteilungen

Historische Stoffe, bleibende Erinnerung: Widmung des Salonwagens As 1141 an Willy Hochstrasser

Mit originalgetreu nachgewebten Polsterstoffen und Teppichen nach historischen Vorlagen von 1931 sowie einer Widmungstafel für Willy Hochstrasser würdigten der Verein «Pro Salonwagen RhB» und die Rhätische Bahn am 28. Oktober 2026 die Geschichte ihrer einzigartigen Salonwagen und das Engagement eines Mannes, der sich massgeblich für deren Erhalt eingesetzt hat.

Der «Salon Rouge» des Salonwagens As 1141.

Der Verein «Pro Salonwagen RhB» präsentierte am Mittwoch, 28. Oktober 2026, den vollständig sanierten Salonwagen As 1141. Im Mittelpunkt des feierlichen Rollouts standen zwei besondere Ereignisse: die Wiederherstellung der historischen Innenausstattung mit nachgewebten Polsterstoffen und Teppichen nach Vorlagen von 1931 sowie die Widmung des Wagens an Willy Hochstrasser (1937–2024). Mit einer im Wagen angebrachten Widmungstafel ehrten der Verein «Pro Salonwagen RhB» und die RhB den ehemaligen Marketingleiter, der sich mit grossem Engagement für den Erhalt der historischen Salonwagen eingesetzt hatte. Die Widmung nahm RhB-Direktor Dr. Renato Fasciati vor.

Der Brand vom 14. November 2025 machte eine Sanierung des Salonwagens erforderlich. Im Zuge der Arbeiten wurde auch der historischen Gestaltung der Innenräume besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Mit dem Einbau der historischen Stoffe und Teppiche erhält der As 1141 einen wesentlichen Teil seiner ursprünglichen gestalterischen Identität zurück.

Zurück zur Gestaltungswelt von 1931

Der Salonwagen As 1141 gehört zu den vier Art-Déco-Pullman-Wagen, die 1931 von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhausen für die «Compagnie Internationale des Wagons-Lits» (CIWL) gebaut wurden. Ursprünglich waren die Wagen für den «Golden Mountain Pullman Express» der Montreux-Oberland-Bahn bestimmt, der zwischen Montreux und Interlaken verkehrte. Nach dem Ende dieser luxuriösen Zugverbindung gelangten sie 1939 zur Rhätischen Bahn.

Die Innenräume wurden vom französischen Innenarchitekten und Art-Déco-Künstler René Prou (1887–1947) gestaltet. Seine Handschrift zeigt sich in kunstvollen Holzintarsien mit abstrahierten alpinen Pflanzenmotiven, den charakteristischen dreiteiligen Erkerfenstern und der eleganten Gestaltung der Salons.

Die Polsterstoffe und Teppiche sind wesentliche Bestandteile dieses gestalterischen Gesamtkunstwerks. Farben, Muster und Materialien prägen die Atmosphäre der Innenräume und vermitteln den mondänen Reisestil der 1930er-Jahre. Mit den nach historischen Vorlagen nachgewebten Stoffen und Teppichen wird diese Gestaltungswelt wieder erlebbar.

Historische Originalmuster wiederentdeckt

Die Suche nach den ursprünglichen Polsterstoffen und Teppichen führte die vom Verein «Pro Salonwagen RhB» eingesetzte Arbeitsgruppe unter der Leitung von Beat Muggli nach umfangreichen Recherchen bei der Pariser Textilmanufaktur Pierre Frey SA zum Erfolg. Im Firmenarchiv konnten historische Stoffmuster aus dem Jahr 1931 entdeckt werden. Sie bilden die Grundlage für die originalgetreue Nachwebung der Materialien.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zum ursprünglichen Gestalter: René Prou war der Grossvater des heutigen Seniorchefs Patrick Frey. Die Wiederentdeckung der Originalmuster erforderte Ausdauer, Fachwissen und einen sorgfältigen Blick für historische Details. Mit dem Einbau der nachgewebten Stoffe und Teppiche wird die charakteristische Farb- und Musterwelt der Entstehungszeit wieder aufgegriffen. Gleichzeitig verbindet moderne Polstertechnik den historischen Anspruch mit den heutigen Anforderungen an den Fahrgastkomfort.

Die Arbeitsgruppe unter Beat Muggli leistet damit einen wichtigen Beitrag zur authentischen Wiederherstellung der Innenausstattung. Ihre Arbeit zeigt, wie historische Recherche und wiederentdeckte Originalmaterialien dazu beitragen, ein bedeutendes Stück Eisenbahnkultur für kommende Generationen zu bewahren.

Eine Widmung als Dank an Willy Hochstrasser

Das zweite zentrale Ereignis des Rollouts ist die Widmung des Salonwagens an Willy Hochstrasser (1937–2024). Als damaliger Marketingleiter der Rhätischen Bahn setzte er sich in den 1990er-Jahren gemeinsam mit Alby Glatt (1933–2014), einem Spezialisten für historische Luxus-Bahnreisen, entscheidend für den Erhalt der Salonwagen ein.

In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre befanden sich die fünf historischen Fahrzeuge in einem schlechten Zustand. Verkauf oder Verschrottung standen zur Diskussion. Für Willy Hochstrasser und Alby Glatt war jedoch klar, dass diese einzigartigen Zeitzeugen der Eisenbahngeschichte erhalten werden mussten.

Um die Rettung der Salonwagen zu ermöglichen, gründeten sie 1996 den Verein «Pro Salonwagen RhB». Der Verein übernahm eine entscheidende Aufgabe: Er beschaffte die notwendigen finanziellen Mittel bei privaten Unterstützern und der öffentlichen Hand, um die fachgerechte Restaurierung der Wagen durch die Rhätische Bahn zu ermöglichen. Unter Beizug der Denkmalpflege Graubünden wurde dabei auch der denkmalpflegerischen Bedeutung der Fahrzeuge Rechnung getragen.

Dieses Engagement legte den Grundstein für den langfristigen Erhalt der fünf Salonwagen. Dass sie heute weiterhin für historische Extrafahrten und Charterangebote eingesetzt werden können, ist wesentlich dem Weitblick und der Initiative ihrer beiden Gründerväter sowie den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern zu verdanken.

Mit der Widmungstafel im As 1141 würdigten der Verein «Pro Salonwagen RhB» und die RhB Willy Hochstrassers ausserordentliche Verdienste und halten damit sein Wirken dauerhaft in Erinnerung. Die Widmung steht zugleich stellvertretend für das Engagement all jener, die sich seit Jahrzehnten für den Erhalt dieses einzigartigen rollenden Kulturguts einsetzen.

Über den Verein «Pro Salonwagen RhB»

Der 1996 von Alby Glatt und Willy Hochstrasser gegründete Verein «Pro Salonwagen RhB» setzt sich für den Erhalt der fünf historischen Salonwagen der Rhätischen Bahn ein. Bereits bei seiner Gründung beschaffte der Verein die finanziellen Mittel für die Rettung und fachgerechte Restaurierung der damals stark gefährdeten Fahrzeuge. Heute engagiert er sich insbesondere für die historische Recherche, die Beschaffung originalgetreuer Materialien und die langfristige Bewahrung dieses einzigartigen rollenden Kulturguts.

Die Kosten für die Neupolsterung belaufen sich für den Verein «Pro Salonwagen RhB» auf rund CHF 250’000.–. Zur Finanzierung der Neupolsterung hat der Verein eine Spendenaktion lanciert. Die Kosten für den technischen Unterhalt der Wagen trägt die Rhätische Bahn AG als Eigentümerin im Rahmen des Wagenunterhalts.

Die Wagen kommen auf dem Streckennetz der Rhätischen Bahn (RhB) für Charterfahrten als Extrazüge zum Einsatz oder werden auf ausgewählten Strecken einzelnen Regelzügen beigestellt.

Einzelreisende haben die Möglichkeit, den besonderen Komfort in der Bernina Express Pullman Class zu erleben: Im Salonwagen geniessen Sie eine Fahrt von St. Moritz nach Tirano – wahlweise als einfache Fahrt oder als Hin- und Rückfahrt.