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10 Fragen an...

Dominique Reichenbach, Praxisausbilder Lokführer

Dominique Reichenbach darf das tun, wovon viele wahrscheinlich träumen: Er fährt das legendäre «Krokodil». Heute dürfen wir einiges über seinen spannenden Arbeitsalltag erfahren und er erklärt uns, warum er ältere Loks den modernen bevorzugt.

Tanja Thaler, Fachspezialistin Kommunikation, 25. May 2021

1 Dominique, möchtest du dich zuerst vorstellen?

Ich bin seit 2015 bei der RhB als Lokführer tätig und das «Krokodil» darf ich seit 2018 fahren. 53 Jahre nach dem Geburtsjahr des «Krokodils» bin ich im Tessin auf die Welt gekommen und im Mendrisiotto aufgewachsen. Dies liegt ganz im Süden des Tessins. Nach verschiedenen beruflichen Stationen in der ganzen Schweiz (Liestal, Kreuzlingen, Martigny, Biel, Gruyère, Fribourg, Bern und Thun) bin ich der Liebe wegen ins Bündnerland gezogen. Dies hat mich auch dazu gebracht, den Mut zu haben, mich beruflich nochmals neu zu orientieren, indem ich nun als Lokführer die Technik, den Mensch und die Natur beobachten kann. Inzwischen bin ich stolzer Vater zweier Mädchen.

2 Was ist der Hauptunterschied beim Fahren einer historischen Lok wie dem «Krokodil» und einer modernen Lok?

Diese Frage ist, wie wenn du mich fragen würdest, was der Unterschied zwischen einer Schreibmaschine und einem PC ist. Sehr ähnlich ist es bei den Loks: Das «Krokodil» ist eine Lok, bei welcher der Lokführer der Computer ist und diesen steuert. Als Lokführer/in arbeitet man in dieser Lok nicht nur mental, sondern auch physisch. Hingegen ist zum Beispiel der Capricorn voll mit modernsten Computern und viel Technik, aber auch mit Überwachungssystemen, welche die Arbeit des Lokführers oder Lokführerin erleichtern.

3 Was bereitet dir persönlich mehr Spass? Historisch oder modern?

Ich bevorzuge die älteren Loks, bei welchen ich als Lokführer die zur Verfügung stehenden Mittel mit meiner Erfahrung und der gewonnenen Sensibilität einsetzen kann. Es geht dabei zum Beispiel um die Beschleunigung, dem Bremsen, der Fahrzeugempfindlichkeit und der Streckenkenntnisse. Bei den älteren Loks gibt es keinen Tempomat, weshalb man das Fahren spüren und der Witterung und Landschaft anpassen muss.

4 Hast du eine Zusatzausbildung benötigt, um das «Krokodil» zu fahren?

Ich hatte eine spezielle Schulung und zusätzlich einige begleitete Tage Fahrpraxis. Speziell ist beim «Krokodil», dass es Wissen für die Inbetriebnahme und das Remisieren benötigt. Dieses habe ich bei dieser Schulung erlernen dürfen. 

5 Wie sieht ein typischer Tag aus, wenn du für das Fahren der Krokodillok zwischen Davos und Filisur eingeteilt bist?

Der Tag beginnt bereits zu Hause, wenn ich die nostalgische Uniform anziehe und damit mit dem Velo zum Depot fahre und dabei viele Blicke auf mich ziehe. Danach nehme ich die Lok in Betrieb und bereite sie für die Fahrt vor: Alle Ölstände müssen kontrolliert, die Hähnen geöffnet und die Stangen müssen geschmiert werden mit den verschiedenen Ölen und Fetten. Dabei geht die Zeit schnell vorbei und am Ende sind die Hände und Arme schon mal schmutzig.

Dann wird die Lok an die Wagen angehängt, der Zug vorbereitet und zum Perron gestellt. Da warten schon oft Passagiere, die es kaum erwarten können mit dem Nostalgiezug mitzufahren. Zuerst möchten sie aber den Zug aus allen Ecken fotografieren. Manchmal werde ich von den Fahrgästen direkt angesprochen und sie stellen mir viele Fragen. Oft wissen sie mehr als ich über die unterschiedlichen «Krokodile», die es in Europa gibt. Diese Diskussionen sind richtig spannend und ich mag den Austausch mit den Fahrgästen. Wenn ich Zeit habe, zeige ich gerne den Führerstand oder gebe die Möglichkeit, ein Foto von ihnen als «Lokführer/in» im Führerstand zu machen. Enttäuschen muss ich sie spätestens dann, wenn sie sagen: «Jetzt möchte ich am liebsten losfahren!». Dieses Privileg hat nur das Lokpersonal. 

Wenn es Zeit ist, loszufahren, erteilt das Zugpersonal, welches ebenfalls eine nostalgische Uniform trägt, den Abfahrtsbefehl und nach einem schönen lauten Pfiff muss nun richtig körperlich gearbeitet werden, damit die Gäste die Fahrt geniessen können.

Es gibt keinen «Halt auf Verlangen», deshalb wird zwischen Davos Platz und Filisur an jedem Bahnhof gehalten. Zusätzlich gibt es drei «Langsamfahrstellen», wo extra langsam gefahren wird, damit die Fahrgäste beim «Bärentritt», auf dem Wiesnerviadukt und aus der Ferne das Landwasserviadukt fotografieren können. In Filisur angekommen, muss umfahren werden, da die Lok wieder an die Spitze des Zuges muss.

Hier wird die Temperatur vom Gestänge gemessen, um einen eventuellen Heissläufer zu entdecken und um - falls nötig - nachzuschmieren. Der Rückweg ist wieder der gleiche, jedoch wird es für die beiden Motoren anstrengender, weil es aufwärts geht. Sobald wir in Davos Platz angekommen sind, stellen wir die Komposition zur Seite und haben unsere Mittagspause verdient. Am Nachmittag geht es dann auf die gleiche Fahrt, jedoch müssen wir am Abend die Lok remisieren und alles kontrollieren, nachfüllen, putzen und sie für den nächsten Tag vorbereiten.

Am Ende des Dienstes weiss man, was man den ganzen Tag gemacht hat. Man ist schmutzig und körperlich müde wegen der Arbeit und Hitze. Aber dies macht mir nichts aus, denn die zufriedenen Gäste und leuchtenden Kinderaugen entschädigen mich. Es gibt mir ein zufriedenes Gefühl nach getaner Arbeit. Ich fahre nach Hause und gönne mir zuerst eine Dusche und dann einen feinen «Znacht». 

6 Die Krokodillok wurde 1929 gebaut. Ist es immer noch sicher, mit dieser Lok zu fahren?

Diese Loks sind immer noch sicher, wenn jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter sowie die Fahrgäste korrekt handeln. Es muss mit Respekt und Vorsicht gearbeitet werden. Dazu gehört auch, dass sich Trainspotter - wie bei allen Zügen -  nicht in Gleisnähe befinden, um ihre Fotos zu schiessen. Die Lok ist für ihr Alter immer noch sehr zuverlässig, wenn sie richtig bedient und unterhalten und mit Respekt behandelt wird. 

7 Was ist die grösste Herausforderung beim Fahren von historischen Loks?

Ich würde sagen, dass man bewusst auf viele Sachen achten muss. Man muss konzentriert bleiben und trotzdem die Lockerheit haben, um mögliche Störungen oder Unregelmässigkeiten rasch bewältigen zu können.

8 Gibt es eine spezielle Situation im Zusammenhang mit der Krokodillok, die dir in Erinnerung geblieben ist?

Ich trage sehr oft die Uniform, welche ich von meiner Vermieterin bekommen habe. Ihr Vater war ebenfalls Lokführer bei der RhB und war beim Depot Pontresina stationiert. Sie hat sie mir geschenkt, als sie sah, dass wir dieselbe Uniform für die Fahrt mit der Krokodillok tragen. Ich trage sie mit Stolz und es bereitet mir grosse Freude, diese Uniform weiter tragen zu dürfen.

Spannend finde ich, dass diese Lok schon existierte, bevor ich auf der Welt war. Was hat diese Lok bereits schon gesehen oder erlebt oder wie viele Lokführer/innen sind diese Lok wohl schon gefahren? Ich finde dies wirklich einmalig. 

Ein spezielles Erlebnis, welches mir in Erinnerung bleibt: Einige Fahrgäste sind einmal trotz sehr schlechtem Wetter (Regen und Kälte) auf den Aussichtswagen sitzengeblieben - während der gesamten Fahrt. Sie müssen sicher gefroren haben. Ich war einfach begeistert von diesem Durchhaltewillen.

9 Was denkst du, was ist der besondere Reiz am Angebot «Historische Fahrten zwischen Davos und Filisur» für unsere Fahrgäste?

Die Fahrgäste erleben, wie die Eisenbahn ist oder gewesen war. Einfach einsteigen und die Fahrt in den verschiedenen Waggons geniessen, dazu die Landschaft einmal anders beobachten oder neu entdecken. Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt und kann abschalten vom heutigen eher hektischen Alltag. Die Gäste geniessen es, sich auf eine Reise in längst vergangene Zeiten zu begeben und sie können das Zugpersonal zur Lok und zu den Highlights während der Fahrt befragen. 

10 Bist du auch schon privat mit diesem Nostalgiezug gefahren? Was hat dir dran gefallen?

Ich bin schon mit meinen Kollegen mitgefahren, wie auch mit Freunden, der Familie und Bekannten. Alle waren begeistert von der Fahrt und der Lok. Zudem bin ich extrem stolz, viel dazu erzählen und weitergeben zu können. Und ich bin sehr stolz, Teil dieses Teams zu sein.