Hinter den Kulissen

Skelettfund in Lavin

In Sommerhalbjahr 2019 wurde der Bahnhof Lavin im Unterengadin behindertengerecht ausgebaut. Doch mit diesem Fund rechnete niemand.

Martin Arpagaus, Projektleiter Bahnprojekte, 29. Oktober 2019

Im Sommerhalbjahr 2019 wurde der Bahnhof Lavin im Unterengadin behindertengerecht ausgebaut. Der Grossteil der Arbeiten erfolgte während der sieben-monatigen Totalsperre. Das Bauprogramm war sportlich und die zur Verfügung stehende Zeit knapp. Deshalb wurde alles darangesetzt, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Ein grosser Personalbestand und Maschinenpark, sowie ein Mehrschichtbetrieb sorgten dafür, dass die ambitionierten Ziele durch die Unternehmungen erfolgreich erreicht werden konnten. Doch niemand rechnete mit dem, was dann gefunden wurde...

Während den Bauarbeiten der neuen Entwässerung des Bahnhofareals ist ein Teil der unmittelbar am Gleis angrenzenden Friedhofmauer der Kirche San Güerg eingebrochen. Ein Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Graubünden war vor Ort und hat die entsprechenden Stellen genau untersucht und dokumentiert. 

 

 

Arbeiten am Bahnhof Lavin im vollen Gange

Direkt unterhalb der Grasnarbe bei der alten Friedhofmauer kamen dann auch erste Knochen und zwei Gräber zum Vorschein. Bei einem der beiden Gräber wurden ein Schädel sowie die Schulter und Rippen der linken Skelettseite freigelegt. Die Hüfte und Beinpartien waren im Profil leider nicht mehr erkennbar. Das Skelett war grösstenteils intakt. Eine alte steinerne Grabplatte an der Mauer deutete auf dieses Grab hin. Anhand der erkennbaren Skelettteile war das Grab West-Ost ausgerichtet. Der Kopf lag im Westen, das Individuum blickte demnach nach liturgisch Ost. Auch im zweiten Grab war das Individuum mit dem Kopf im Westen nach liturgisch Ost ausgerichtet.

Markante Grube mit dunkelgrauer Verfärbung. Quelle: Archäologischer Dienst Graubünden

In tieferen Bereichen der für die Bahnentwässerung ausgehobenen Baugrube wurden verschiedene Strukturen gefunden. So zum Beispiel Holzkohlestücke, welche auf eine mögliche Feuerstelle hindeuten und auch anthropogen geformte Gräben, welche deutlich von anstehenden Sedimentgesteinen unterschiedlichen Farbtönen gekennzeichnet waren. 

Die in den tiefen Bereichen erkannten Strukturen (Holzkohlefragment und Bodenprobe) wurden mittels Radiokarbondatierung auf ihr Alter hin untersucht. Beide Proben datieren in das erste Viertel des zweiten Jahrtausends v. Chr. Diese Strukturen sind somit der Frühbronzezeit zuzuordnen.

Grabfund nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche

Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen wurde die Friedhofsmauer in Absprache mit dem archäologischen Dienst und der Fachstelle für Denkmalpflege des Kantons Graubünden wieder aufgebaut. Die Züge der Rhätischen Bahn fahren wieder planmässig von und nach Scuol-Tarasp. Nur noch die alte Kirche San Güerg und die im alten Stil wieder hergerichtete Friedhofmauer lassen die 4 000 Jahre alte Geschichte in Lavin erahnen. 

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