10 Fragen an...

Simon Rohner, Leiter Autoverlad Vereina

Simon Rohner ist Leiter Autoverlad Vereina und bereitet sich zusammen mit seinem Team auf die kommende Saison vor. Er erzählt uns, was dies bedeutet und verrät uns seinen ganz persönlichen Tipp für die 16-minütige Fahrt im Dunkeln.

Tanja Thaler, Fachspezialistin Kommunikation, 08. Dezember 2020

1 Wie oft bist du persönlich schon durch den Vereina gefahren?

Schwierig zu sagen. Aber da ich auf der anderen Seite des Tunnels wohne und zum Arbeiten täglich zwei Mal verladen lasse, sicher bereits einige tausend Mal. 

2 Die Fahrt durch den Vereinatunnel dauert 18 Minuten. Ist das nicht ein bisschen langweilig, wenn man diese ganze Zeit im Dunkeln sitzt?

Ja, das Radio muss natürlich immer an sein. Ich arbeite meistens mit meinem Notebook oder mache ein paar Telefonate. Im ganzen Tunnel gibt es ein durchgehendes 4G-Netz und hervorragenden Handyempfang. Das erlaubt unseren Kunden sogar das Streamen von Videos als Zeitvertreib. Manche nutzen die Fahrt jedoch auch gerne mal für ein kurzes Schläfchen. Nicht selten muss sie der Verlademitarbeiter dann am Zielort wecken.

3 Wie lange bist du schon als Leiter Autoverlad Vereina tätig?

Seit dem 1. März 2014. Vorher war ich bei der RhB im Unterengadin tätig. Ich bin mit dem Vereinatunnel in verschiedenen Funktionen seit dem Bau eng verbunden. 

4 Bald beginnt bei euch die Hochsaison. Wie bereitet sich dein Team auf den Winter-Ansturm vor?

Vom 1. Dezember bis 30. April verkehren die Autozüge bis nach Mitternacht, also drei Stunden länger als im Sommer. Es gibt mehr Dienstschichten, welche sich zwischen 04.40 morgens und 01.00 nachts erstrecken. Ausserdem versuchen wir uns durch eine gute vorgängige Planung insbesondere auf die Spitzentage in den Sportferien und den Wochenenden vorzubereiten, wo wir zusätzliches Personal und Rollmaterial einsetzen.  

An diesen Spitzentagen sind nicht nur Verlader, Kassierinnen und Lokführer/innen im Einsatz sondern auch Ablösungen von Klosters/Davos oder Scuol/Zernez und externe Mitarbeiter wie die Verkehrskadetten der Stadt Chur und Securitas.

5 Gibt es in deinem Team im Winter mehr Mitarbeiter als im Sommer?

Nein, das Team ist über das ganze Jahr gleich gross. Im Sommer gleichen wir die gearbeiteten Mehrzeiten vom Winter aus und beziehen unsere Ferien, hauptsächlich zwischen Mai und November.

6 Muss das Rollmaterial speziell auf den Winter vorbereitet werden?

Da im Tunnel das ganze Jahr über mehr oder weniger die gleichen Bedingungen herrschen, müssen von technischer Seite keine speziellen Vorbereitungen getroffen werden. Allerdings passen wir die Zugsformationen für den Winter an. Die Kapazitäten für grosse Lkw werden zugunsten von mehr Platz für Personenwagen reduziert. An den Spitzen-Samstagen während der Sportferien im Februar setzen wir zudem einen vierten, kürzeren Autozug ein, um die Kapazitäten optimal nutzen zu können.

7 Wie viele Züge sind an einem Spitzentag im Einsatz?

An einem normalen Tag verkehren 68 fahrplanmässige Autozüge. An einem Spitzentag verkehren insgesamt bis zu 120 Autozüge.

8 Was wäre dir lieber im kommenden Winter? Sehr viel oder sehr wenig Schnee?

Am liebsten habe ich einen schönen Winter mit ordentlich Schnee und guten Wintersportverhältnissen für unsere Kunden, was sich auch für uns positiv auswirkt. Allerdings sind für uns grosse Schneefälle ausgerechnet an Spitzenverkehrstagen mit entsprechenden schlechten Strassenverhältnissen oder Schliessungen des Julierpasses eine besondere Herausforderung.

9 Im letzten Jahr rollten eine halbe Million Fahrzeuge durch den Vereina. Im Jahr 1999 waren es noch halb so viele. Was denkst du, wie kam es zu diesem Anstieg?

Nebst der generellen Zunahme des Strassenverkehrs in den letzten 20 Jahren hat sich der Autoverlad nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr als schnelle, sichere und bequeme Alternative zu der Fahrt über die Pässe etabliert, insbesondere auch bei der einheimischen Bevölkerung. Wir hatten von Jahr zu Jahr mehr Kunden, welche die Verbindung auch im Sommer, wenn der Flüelapass offen ist, nutzen. Zudem ist die Nachfrage bei Gästen der angrenzenden Ferienregionen im Südtirol und Livigno in den letzten Jahren stark gewachsen. 

10 Hast du einen speziellen Tipp für alle, die mit ihrem Auto diesen Winter durch den Vereina fahren möchten?

Einfach nur geniessen, entspannt ankommen und sich auf das wahrscheinlich schönste Tal der Welt, das Engadin, freuen! 

Übrigens: Im Autozug ist das Surfen auf dem Handy oder Tablet auch für den Fahrer erlaubt. Wer lieber ein Schläfchen macht, sollte aber unbedingt den Timer auf 16 Minuten einstellen, sonst erschrickt man spätestens wenn der Hintermann hupt oder der Verlader an die Scheibe klopft. :-)

Simon Rohner freut sich auf die kommende Hochsaison

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