10 Fragen an...

Silvio Briccola, Leiter Finanzen und Mitglied der Geschäftsleitung der Rhätischen Bahn AG

Selin-Nancy Zopf, Assistentin Leiter Finanzen, 18. August 2020

1 Wie gestaltest du deinen Arbeitstag?

Ich starte bereits frühmorgens, um die Zeit bis 8 Uhr zu nutzen, um mich auf Sitzungen vorzubereiten und E-Mails zu beantworten. Der ganze Tag ist sehr abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere und viele Sitzungen dominieren den Arbeitsalltag. Bevor ich in den Feierabend gehe, versuche ich die Mails abzuarbeiten, damit ich nicht zu viel nach Hause nehmen und lesen muss - gelingt mir allerdings nicht immer.

2 Was macht deine Arbeit besonders spannend?

Meine Funktion ist mit sehr viel Abwechslung verbunden, eine erstaunliche Vielzahl an Themen, da die RhB eine sehr breit gefächerte Unternehmung ist. Projekte, bei denen ich direkt verantwortlich bin oder wir als Finanzen als Querschnittsbereich involviert sind. Auch die vielen Kontakte mit den RhB-Mitarbeitenden und mit Externen finde ich immer spannend und ganz wichtig – denn nur zusammen kommen wir wirklich weiter.

3 Was war dein Traumberuf als Kind?

(Überlegt lange) Als Kind hatte ich keinen klassischen Traumberuf. Mich haben Zahlen und Unternehmen bzw. das Funktionieren und das Zusammenspiel im Unternehmen schon früh interessiert. Dieses Interesse hat sich während des Wirtschaftsstudiums an der HSG bestätigt.

4 Was sind die grössten Herausforderungen als Geschäftsleitungsmitglied?

Immer das Wichtigste und Dringendste vor Augen zu haben. Übergeordnet Denken, Priorisieren und den Fokus auf das Wesentliche legen. Die Geschäftsleitung sollte immer die Möglichkeit haben, ein paar Schritte im Voraus zu denken, zu handeln und zu planen. Ebenso gilt es den verschiedenen Anspruchsgruppen und Erwartungen von aussen und von innen (Mitarbeitende) möglichst gerecht zu werden.

5 Was gefällt dir an der RhB?

Die RhB ist mehr als nur eine Firma, sie ist das Herzstück und Rückgrat für Graubünden. Ich kann mich sehr mit der RhB identifizieren. 

Die RhB hat eine lange und bewundernswerte Geschichte. Gerade die Pionierzeit ist beeindruckend und wird durch das UNESCO-Label unterstrichen. Diese Geschichte führen wir nun weiter, um unseren Nachfolgern den Stab für die weitere Geschichtsschreibung weitergeben zu können. 

Als Mitarbeitender entwickelt sich somit natürlich eine gewisse Verantwortung gegenüber der RhB und dementsprechend ein sorgsames Vorgehen bei der Weiterentwicklung der RhB.

6 Warum bist du zur RhB zurückgekehrt?

(Silvio Briccola war von Oktober 2003 bis Februar 2012 Leiter Finanzen und Stv. Direktor der RhB. Er kehrte im September 2016 zurück.)

Ich habe die RhB nicht verlassen, weil es mir nicht mehr gefallen hat, sondern weil ich noch etwas anderes sehen wollte. Allerdings habe ich nach sechs Jahren gemerkt, dass es schön wäre, wieder bei der RhB zu arbeiten, mit den vielen spannenden Projekten und auch den Vorzügen, welche die RhB als gute und verlässliche Arbeitgeberin bietet. Erst wenn man weg ist, sieht man die Bedeutung und die Werte der RhB richtig. Ich bin dankbar, habe ich die Chance erhalten zurückzukommen - und bin nun auch schon bald seit fast vier Jahren wieder dabei.

7 Was sind künftig die grössten Herausforderungen der RhB?

Die Weiterführung der Modernisierung des Rollmaterials, die Erneuerung der Infrastruktur, die Motivation sowie die Kompetenzen und die «Bindung» der Mitarbeitenden an die RhB. Ebenso, dass wir dabei die Finanzierung sicherstellen können.

Eine grosse Herausforderung für alle ist das mittlerweile sehr enge Zusammenspiel von «Dynamik» und «Komplexität». Einzeln genommen sind die Themen zu bewältigen, sobald aber beide so spürbar sind wie heute, wird es anspruchsvoll. Wir müssen uns hier fokussieren und Prioritäten setzen, damit wir uns nicht verzetteln und stets das Wichtigste im Auge behalten können.

8 Was nervt dich im Arbeitsalltag?

Generell finde ich das «Gärtlidenken» immer ein schwieriges Thema. Es ist wichtig, die Gesamtinteressen vor Einzelinteressen zu stellen. Es geht nur zusammen, miteinander. Auch gilt es, Kompetenzen unternehmensweit zu bündeln und bereichsübergreifend zu nutzen. Wir arbeiten alle unter einem Dach, das der «RhB». Hier sind alle gefragt und alle wichtig. Es ist ein Prozess und ich bin positiv gestimmt, dass wir uns hier Schritt für Schritt verbessern. Gerade das in Angriff genommene ERP-Modernisierungsprojekt bildet eine grosse Chance für uns alle. 

9 Kannst du für den Jahresabschluss 2020 bereits eine Prognose machen?

Es wird sehr schwierig. Es wird zu einem negativen Abschluss kommen. Dennoch haben wir aber die grosse Unterstützung von Bund und Kanton und die Massnahmen sind entsprechend eingeleitet. Allerdings machen uns das Jahr 2021 und die Folgejahre fast mehr Sorgen: Wie wird sich der Tourismus entwickeln? Wie wird sich das Coronavirus verhalten? Welchen Einfluss hat die Krise auf unsere Finanzierung?

10 Wo siehst du die RhB in 20 Jahren?

Es wird sich viel verändern. Die RhB hat eine lange Geschichte und ist für die nächsten Jahre gut aufgestellt und vorbereitet. Dies dank toller Unterstützung der Mitarbeitenden und den Bestellern wie Bund und Kanton. Entsprechend wird die RhB auch in 20 Jahren noch das Herzstück im öffentlichen Verkehr in Graubünden bilden. Dennoch werden wir uns vor allem in entscheidenden Themen wie Erneuerung/Modernisierung, aber auch Innovation/Digitalisierung beweisen müssen. Auch die Finanzierung der RhB wird immer eine Herausforderung bleiben. Bereits jetzt wird viel Effort dafür geleistet, wir sind gerüstet für die Zukunft.

Silvio Briccola

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