Hinter den Kulissen

Schneeräumung bei der RhB

Wer ist für die Winter- und Schneeräumung bei der Rhätischen Bahn zuständig? Wie sind die Abläufe sichergestellt? Ein Gespräch mit Marco Sutter, Stellvertreter Bahnmeister, Bezirk Albula.

Lorena Campa, Praktikantin Marketing-Kommunikation, 31. Januar 2020

Eisige, kalte und vor allem schneereiche Winter – auch diese Saison haben sich unsere Mitarbeiter wieder zu beweisen. 

Die Winter der letzten Jahre waren sehr anstrengend und intensiv. Um den Bahnverkehr sicherzustellen, mussten enorme Schneemassen auf dem ganzen Streckennetz geräumt werden. Schnee ist nicht gleich Schnee, denn auf den diversen Strecken lauern zusätzliche Gefahren wie Eis, Wind, Kälte, Dunkelheit und Lawinen.

Bei der Rhätischen Bahn ist die Schneeräumung im Geschäftsbereich Infrastruktur eingebettet. Da das Streckennetz rund 384 Kilometer umfasst und diverse Regionen verbindet, wurden Bezirke für eine geregelte Räumung des zuständigen Gebietes geschaffen. Die Bezirke wurden geografisch zugeordnet, sodass der Bezirk «Albula» zum Beispiel die Bahnstrecke von Reichenau-Tamins bis Preda umfasst. 

Ein normaler Arbeitstag

Die Vorbereitung auf einen normalen Arbeitstag im Winter beginnt bereits beim Einsehen in die diversen Wetterkanäle (Wetter-App, SLF-Liste) am Vortag. Es wird kontrolliert, wieviel Schneefall erwartet wird. Dementsprechend werden die Mitarbeiter für die kommende Nacht beziehungsweise den kommenden Tag eingeteilt. Der Bezirk «Albula», welcher die Dienststandorte in Thusis und Bergün pflegt, startet bei viel Schnee um ca. 02.00 Uhr mit einem Traktor in Thusis und um ca. 04.00 Uhr in Bergün.

Traktor und Handschnee-Schleuder

Der Traktor ist zuständig für die Ersträumung der Bahnhöfe. Die Perrons und Parkplätze werden geräumt, gesplittet und gesalzen. Nach der Räumung mit dem Traktor, um ca. 03.00 Uhr, wird von der Handschnee-Schleuder Gebrauch gemacht. Diese wird für die exponierten Stellen benötigt, bei welchen der breit gebaute Traktor nicht alles wegräumen kann. Weitere Mitarbeiter des Bahndienstes kümmern sich im Anschluss um die verschneiten Weichen. Diese sind zwar im Besitz einer Heizung, müssen aber vom Schnee befreit werden (Gefahr von Vereisung der Weiche).

Der Traktor im Einsatz auf dem Perron.

Spurpflug

Ab 04.00 Uhr dürfen zwei Mitarbeiter den Spurpflug mit einem Schienentraktor stossen und ziehen. Der erste Mitarbeiter bedient den Spurpflug per Fernbedienung und der andere widmet sich dem Schienentraktor. Die Geschwindigkeit begrenzt sich hier auf maximal 40 Stundenkilometer. Der Spurpflug dient dazu, dass der Schnee auf und neben der Schiene weggeräumt werden kann. Mit der Räumung entstehen auf der Seite der Gleise je nach Schneemenge sehr hohe Schneehügel. Die Hügel müssen im Anschluss von der Schneeschleuder Xrot mt 95402 beseitigt werden. Wenn der Schnee nicht beseitigt wird, kann der Spurpflug mit der Zeit seine Arbeit nicht mehr verrichten. Dies hätte zur Folge, dass der Schnee wieder ins Gleis rutscht – was unproduktiv wäre.

Der Spurpflug (rot) mit einem Schienentraktor.

Schneeschleuder Xrot mt 95402

Bei der Schneeschleuder gibt es im Bezirk «Albula» ein eingespieltes Team aus vier Personen, welche das Gerät sowie die dazu benötigten Streckenkenntnisse bestens beherrschen. Die Fräse wird nur bei grossen Schneemengen und je nach Bedarf eingesetzt. Auch bei dieser Maschine ist ein Mitarbeiter für den Schienentraktor und einer für die Fräse zuständig. 

Die Schneeschleuder besteht aus zwei Aggregaten mit zwei Kaminen, welche den Schnee wegspritzen. Die Geschwindigkeit der Maschine beläuft sich auf höchstens 20 Stundenkilometer, variiert aber je nach Schneehöhe und Hindernissen. An den Kaminen kann die Einstellung für die Weite des ausgeworfenen Schnees programmiert werden. Hier ist aber Vorsicht geboten: Es dürfen keine Strassen, Häuser, Langlaufpisten, etc. mit Schnee bedeckt werden.

Lawinen

Im Winter müssen die Bahnstrecken teilweise aufgrund Lawinengefahr in Absprache mit der Lawinenkommission und diversen Beratern gesperrt werden. Glücklicherweise kommt dies nicht oft vor. 

Die Strecken werden dann gesperrt, im Anschluss werden die notwendigen Sprengungen vorgenommen und zum Schluss wird eine Kontrollfahrt mit einem Schienentraktor durchgeführt.

Für die Lawinensprengungen auf der Albulastrecke von Filisur bis Preda sind Helikopter im Einsatz. Die Helikopter sind auf gutes Flugwetter angewiesen. Auf dem Berninapass und im Val Bever sind neue Sprengmasten im Einsatz. Bei den Sprengmasten ist die Rhätische Bahn nicht auf gute Witterung angewiesen, sondern hat die Möglichkeit, eine künstliche Auslösung zu betätigen.

Danke!

Die Schneeräumung auf dem Streckennetz der Rhätischen Bahn ist eine ernste, stressige und gefährliche Arbeit. Es müssen innert kurzer Zeit schwierige Entscheidungen getroffen werden.

Danke an alle Bezirke des Bahndienstes für ihre tägliche Arbeit, denn ohne sie könnte der Zugverkehr nicht so reibungslos funktionieren!

3 Kommentare

Holger Grenzendörfer 27.02.2020

Ein sehr aufschlußreicher Beitrag, der einmal die erforderlichen Tätigkeiten zur aufrechterhaltung des Zugbetriebes im Winter kurz beschreibt. Ein großer Dank an diese Mitarbeiter!

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Swissli Chocolat 07.02.2020

Merci vielmol für den interessanten Bericht. Was würden all die Zugpassagiere nur machen, ohne die Männer (und evtl. auch Frauen von der Schneeräumung). Top Arbeit, die da von allen involvierten Mitarbeitern geleistet wird.

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Mario Bärtschi 06.02.2020

Kompliment! Super-Reportage mit tollen Bildern. Weiter so-

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