Kurz erklärt

«Nächster Halt Davos Platz!» Die Stimme in unseren Zügen

Jeder kennt sie: Die Durchsagen in unseren Zügen, die zum Beispiel die nächste Ortschaft ankündigen. Doch wie kommt diese Stimme in den Zug, wem gehört sie und vor allem: woher weiss sie, wo sich der Zug gerade befindet?

Reto Zünti, Fachspezialist Produktionsentwicklung, 31. März 2020

Was für die Pendler wohl längst nicht mehr zur Orientierung nötig ist, verhilft unseren Fahrgästen von nah und fern an ihrem gewünschten Zielort auszusteigen oder einfach Graubünden und seine wunderschönen Orte kennenzulernen. Die Rhätische Bahn nutzt die Durchsagen zum Beispiel auch zwischen Thusis und Tirano, auf der UNESCO Welterbestrecke, um die beeindruckenden Details der RhB und ihrer Bauten den Gästen näher zu bringen. Doch wie kommt die Stimme in den Zug? Und woher weiss die Dame, dass der nächste Halt Klosters Platz ist?

3 000 einzelne Audiofragmente

Die Rhätische Bahn hat eine Datensammlung an knapp 3 000 einzelnen Audiofragmenten, welche in einer Software individuell aneinandergereiht werden können. Einzelne Fragmente sind beispielsweise Ortsnamen wie «Davos Platz», «Scuol-Tarasp» usw. Aber auch Zahlen oder einzelne Wörter wie «Gleis», «Regio», «Regio Express», «Halt», «auf», «folgt», «der», «die», «das» und viele mehr. 

Eine grosse Herausforderung für die Sprecherinnen

Diese Ansagen-Bausteine werden durch professionelle Sprecherinnen in einem Tonstudio aufgenommen und anschliessend in unsere Software eingespielt. Die Rhätische Bahn hat Ansagen in den vier Sprachen: Deutsch, Rätoromanisch, Italienisch und Englisch. Bei neuen Aufnahmen muss die jeweilige Sprecherin versuchen, das Wort in derselben Stimmlage wie bei den früheren Ansagen auszusprechen. Dies führt oftmals dazu, dass die Sprecherin ihre Aufnahme wiederholen muss. Dabei spielt die Verständlichkeit und die klare Betonung der einzelnen Wörter eine wichtige Rolle.

Das Studio der Sprecherinnen

Hinter den korrekten Durchsagen steckt viel Technik

Jede Durchsage ist an die Zugnummer geknüpft – bei der Rhätischen Bahn ist das eine 4-stellige Nummer, die auch im Online-Fahrplan ersichtlich ist.

Die Fachspezialisten bei der Rhätischen Bahn bereiten die aufgenommenen Fragmente so vor, dass sie für das Abspielen auf den diversen Zügen bereit sind. 

Die Arbeit umfasst nicht nur das Zusammenstellen der Ansagen anhand der Vorlagen und Regeln, sondern auch das Umprogrammieren bei Streckenunterbrüchen, Grossanlässen oder Extrafahrten. 

Die Durchsage wird vom Kundeninformationssystem im Zug automatisch ausgelöst. Das System orientiert sich dabei an den gefahrenen Kilometern aufgrund der Radumdrehungen und spielt dadurch die Ansage zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ab.

Software, in welche die Text-Bausteine eingespielt werden.

Trotz Technik gibt es auch Handarbeit

Jeweils zum Fahrplanwechsel werden die Änderungen gegenüber dem alten Fahrplan auch bei den Ansagen vollzogen. Nach Abschluss der Vorbereitungsarbeit in der Software werden die Systeme auf den Zügen mit den Ansagen beliefert. Bei den neueren Fahrzeugen kann dies aus der Software gesteuert werden und die Verteilung erfolgt via GSM (Global System for Mobile Communications). Bei den älteren Fahrzeugen hingegen erfolgt die Verteilung der Daten noch nicht automatisch. Bei allen Fahrzeugen der älteren Generation werden die Ansagen auf Speicherkarten abgelegt und manuell im Fahrzeug ersetzt. Für den Ersatz der aktuell 105 Speicherkarten benötigen zwei Mitarbeiter zum Fahrplanwechsel rund 10 Arbeitstage. 

Dank dieser Stimme im Zug wird gewährleistet, dass keiner unserer Fahrgäste den gewünschten Zielort verpasst und die gewünschten Infos in verschiedenen Sprachen erhält. 

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