10 Fragen an...

Michael Kistler, Teamhost am Spengler Cup

Im normalen Leben kümmert sich Michael Kistler, Leiter Marketing-Kommunikation & E-Business, um Themen wie die Vertriebsplattform der RhB. Aber zwischen Weihnachten und Neujahr steht seine Welt normalerweise Kopf. Doch dieses Jahr kam alles anders...

Tanja Thaler, Fachspezialistin Kommunikation, 21. Dezember 2021

Zwischen Weihnachten und Neujahr verbringt Michael Kistler normalerweise seine arbeitsfreien Tage als Teamhost in Davos am Spengler Cup. Und am liebsten mit seiner grossen Liebe: Dem Hockey Club Ambrì-Piotta. Leider kam dieses Jahr alles anders, weil der HC Ambrì-Piotta in Quarantäne musste und nicht am Spengler Cup dabei sein wird. Wir stellen ihm heute trotzdem zehn Fragen zu seinem Einsatz in Davos.

1 Was bedeutet dir Eishockey?

Eishockey ist der schönste Sport der Welt und fasziniert mich seit mein Götti, welcher seit mehr als 50 Jahren Ambrì-Fan ist, mich mit dem blauweissen Virus infiziert hat. Mein erstes Spiel in der «Valascia» sah ich vor gut 40 Jahren. Damals war das Stadion in Ambrì erst gerade überdacht worden und auf beiden Seiten offen. Auch wenn ich das Spiel noch nicht verstand, wusste ich, dass ich «Forza Ambrì» rufen musste. Schon damals schaute ich auch Jahr für Jahr die Spiele des Spengler Cups und lernte dabei Mannschaften wie Dukla Jihlava oder Spartak Moskau kennen.

2 Welche Teams hast du bereits am Spengler Cup betreut und wie lange bist du schon als Teamhost tätig?

Ich bin seit 2014 Teamhost und durfte dabei bereits sechs Teams betreuen. Ganz besonders waren für mich das Jahr 2017 mit der Schweizer Nationalmannschaft und natürlich 2019 mit dem HC Ambrì-Piotta. 

Die Nati ist mir seit Jahren ans Herz gewachsen und ich durfte schon mehr als 25 Weltmeisterschaften vor Ort geniessen. Somit war die Betreuung am Spengler Cup ein absolutes Highlight, welches kaum zu toppen schien… bis der HC Ambrì-Piotta eingeladen wurde.

3 Was genau macht ein Teamhost?

Der Teamhost kümmert sich primär um alles, was das Team während des Turniers in Davos benötigt und ist grundsätzlich 24 Stunden erreichbar. Dabei geht es um banale Dinge wie Tipps für ein Restaurant oder einen Ausflug, aber auch um die Organisation von zusätzlichen Tickets, Transfers, Eiszeiten oder Essenswünsche im Hotel. Vor, während und nach dem Spiel ist der Teamhost beim Team und hilft in der Kabine oder an der Bande mit. 

Natürlich hat ein Teamhost auch hier Zutritt: Die Kabine von Awtomobilist Jekaterinburg am Spengler Cup.

4 Gibt es Parallelen zu deiner Arbeit bei der RhB und der Arbeit als Teamhost?

Inhaltlich gibt es wenige Parallelen, jedoch ist es in Bezug auf die Flexibilität und Kurzfristigkeit durchaus vergleichbar. Bei der RhB in der Marketing-Kommunikation wie auch als Teamhost muss ich sehr schnell auf veränderte Situationen reagieren und Entscheide treffen. 

5 Wäre es nicht schöner, zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar freie Tage zu geniessen und die Spiele gemütlich vor dem TV zu schauen?

Nein, ganz bestimmt nicht! Die Aufgabe als Teamhost ist für mich eine Herzensangelegenheit, welche mir viel Energie gibt und Freude bereitet. Ich freue mich bereits Wochen davor auf die Zeit in Davos und verzichte dafür gerne auf ein paar klassische Freitage. 

6 Hast du Anekdoten aus den Teams, die du uns verraten darfst?

Jeder Teamhost kann seine ganz persönlichen Anekdoten erzählen. In meinem ersten Jahr als Teamhost durfte ich das KHL Team von Salavat Yulaev Ufa betreuen. Diese Stars aus Russland sind damals mit der ganzen Familie angereist und hatten einige Sonderwünsche. So wollten die Frauen unbedingt nach Mailand zum Shopping und erst als ich den Preis eines Helikopterflugs abgeklärt hatte, entschieden sie sich für einen Ausflug nach St. Moritz. Auch einen Russisch sprechenden, privaten Snowboard-Lehrer durfte ich organisieren. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir, im positiven Sinne, die beiden Weihnachtsfeiern mit der Schweizer Nationalmannschaft und beim letzten Spengler Cup mit dem HC Ambrì-Piotta. Die Spieler, Frauen und Freundinnen, die Kinder und der ganze Staff waren vor Ort und es war wie eine grosse Familienfeier, an welcher ich auch dabei sein durfte. 

7 Gab es auch schon nicht so schöne Momente?

Wirklich schlimme Momente habe ich persönlich bis dato keine erlebt. Jedoch gibt es auch am Spengler Cup immer wieder Verletzungen und besonders das Pech von Gregory Sciaroni, übrigens in Ambrì gross geworden, bleibt mir bis heute in Erinnerung. Sciaroni fiel an den Turnieren 2015 und 2016 verletzt aus – das Besondere: Beide Male war es im Spiel vom 30. Dezember. 2015 zog er sich bei einem Zweikampf an der Bande eine schwere Verletzung des Handgelenks zu, bangte danach sogar um die Fortsetzung seiner Karriere. Zum Glück spielt er noch heute in der National League und vielleicht bald wieder in Ambrì.

8 Wer entscheidet, welches Team du betreuen darfst?

Die Auswahl des Teams erfolgt jeweils gemeinsam, wobei ich, als Verantwortlicher aller Teamhosts, bei einer Nichteinigung entscheiden darf. Falls ein Teamhost ein Team bereits einmal betreut hat, behält er dieses in der Regel. So hat zum Beispiel Marcel Enkerli das Team Canada jahrelang betreut. Ich hätte in diesem Jahr den HC Ambrì-Piotta betreut und habe mich sehr darauf gefreut. Leider muss das Team in Quarantäne und ich kann folglich am diesjährigen Spengler Cup auch nicht dabei sein.

Hockey Club Ambrì-Piotta am Spengler Cup in Davos

Beim UBS Kids Day - auch hier ist der Teamhost immer mit dabei.

9 Worauf hättest du dich am meisten gefreut?

Für mich wäre es eine Rückkehr nach Davos gewesen. Wie eine Heimkehr in die Spengler Cup Familie. Weil man sich kennt und sich auf das Wiedersehen freut. Leider hat die Teilnahme des HC Ambrì-Piotta dieses Jahr nicht geklappt. Sonst wären dieses Jahr viele Freunde und Bekannte aus dem Umfeld meines Herzensclubs dabei gewesen - vielleicht klappt es ja nächstes Jahr! 

10 Dein Tipp: Welches Team wird den Spengler Cup 2021 gewinnen?

Wenn der HC Ambrì-Piotta gespielt hätte, dann natürlich dieses Team. Wer sonst? :) Ich tippe auf Frölunda. Die schwedische Liga ist sehr stark und Frölunda ein Topteam. Dies beweisen sie auch immer wieder in der Champions Hockey League, welche sie bereits vier Mal gewinnen konnten. 

Wie geht es weiter? Am Spengler Cup 2021 übernimmt Michael Kistler nun das Team «Bern Selection», welches aus Spielern vom SC Bern, EHC Biel und SCL Tigers besteht. So kann er trotzdem als Teamhost dabei sein. 

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