10 Fragen an...

Michael Capeder, Spezialist Qualitätssicherung

Michael Capeder arbeitet seit 7 Jahren bei der RhB als Spezialist Qualitätssicherung. Zusätzlich ist er auch seit 17 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr Chur tätig. Heute stellt er sich in unserem Blog unseren Fragen.

Tanja Thaler, Fachspezialistin Kommunikation, 26. Mai 2020

1 Michael, kürzlich gab es im Gebäude, wo ich wohne, einen Wasserrohrbruch und die Feuerwehr musste um ca. 9.45 Uhr ausrücken. Später habe ich erfahren, dass du auch mitgeholfen hast, das Wasser abzupumpen. Welche Arbeit bei der RhB musstest du für diesen Einsatz gerade unterbrechen?

An diesem Morgen hatte ich eine Online-Schulung, welche via «Microsoft Teams» durchgeführt wurde. Die Kursleiterin hatte gerade eine Sequenz fertig erklärt und fragte uns, ob eine Kaffeepause nötig sei. Genau in dem Moment sah ich auf meinem Handy den Alarm über den Wasserschaden. 

Ich wusste, der Kurs wird aufgezeichnet und daher habe ich ihr mitgeteilt, dass ich kurz weg bin. Ich habe die Kopfhörer hingelegt, meine Jacke genommen und mich im Eiltempo in Richtung Feuerwehrdepot aufgemacht.

2 Wie lange hat dieser Einsatz gedauert und konntest du danach deine Arbeit einfach wieder wie gewohnt fortsetzen? Fällt dir dies schwer?

Bevor ich diese Frage beantworten kann, möchte ich noch kurz erklären, wie die Feuerwehr Chur aufgestellt ist: Total leisten etwa 90 Personen (Frauen und Männer) den freiwilligen Feuerwehrdienst in der Stadt Chur. Für die Alarmbereitschaft werden diese in drei Alarmgruppen aufgeteilt. Das heisst, jeden dritten Monat hat man Pikettdienst. Dazu kommen noch Alarmgruppen für Brandmeldeanlagen, Hubretter und die Strassenrettung.

Für diesen Einsatz wurde eine Alarmgruppe aufgeboten (etwa 20 bis 25 Personen). Nach rund zwei Stunden wurden nicht mehr alle Personen benötigt und so konnten einige zurück zur Arbeit oder nach Hause. Die verbliebenen Feuerwehrleute waren noch rund vier Stunden damit beschäftigt, das Wasser abzupumpen.

Bei diesem Einsatz hatte ich keine Mühe damit, die Arbeit im Büro wie gewohnt fortzusetzen. Es gibt aber auch Einsätze, da macht man sich im Nachhinein seine Gedanken. Vor allem bei grösseren Bränden, die lange gedauert haben oder wenn zu rettende Menschen beteiligt waren.

3 Musst du etwas Spezielles mit ins Büro nehmen, damit du sofort einsatzbereit bist, falls du alarmiert wirst?

Es gibt keine Vorschrift, dass man täglich mobil sein muss. Ich könnte zum Beispiel auch zu Fuss ins Feuerwehrdepot einrücken, aber das würde zu lange dauern. Ich besitze neben dem Auto noch einen Roller. Da ich täglich mit diesem zur Arbeit fahre, rücke ich auch im Falle eines Alarms mit dem Roller ins Depot ein.

4 Wie wirst du im Fall des Falles alarmiert?

In Chur trägt jede/r Feuerwehrmann/-frau einen Pager auf sich. Im Falle eines Alarms erhalte ich über mein Handy eine SMS, gefolgt von einem Anruf und zirka 10 Sekunden später folgt der Alarm auf dem Pager. Es hört sich nach viel an, aber es kann mal vorkommen, dass man mit dem Handy in einem Untergeschoss (zum Beispiel Tiefgarage) keinen Empfang hat und dafür ist der Pager da. Mit diesem «Relikt» von Kommunikationsmittel hat man praktisch überall auf der Welt Empfang.

5 Was tust du, wenn du mitten in einer Sitzung oder einem wichtigen Telefonat alarmiert wirst und ausrücken musst?

Ich erwähne, dass ich einen Alarm habe und muss dann selbst abschätzen, ob ich gehen kann oder nicht. Bisher hatten die Gesprächspartner immer Verständnis. 

6 Kann es auch vorkommen, dass du mal an einem Einsatz nicht teilnehmen kannst, weil es deine Arbeit nicht zulässt?

Natürlich. Das ist schon vorgekommen und wird auch in Zukunft so sein. Mein Arbeitgeber ist die RhB und sie hat Priorität. Da ich nicht in Touren arbeite, ist es um einiges einfacher bei einem Alarm den Arbeitsplatz zu verlassen. Jedoch muss ich dann die abwesende Zeit aufarbeiten, damit ich die Sollzeit erfülle.

7 Wie oft kommt es vor, dass du mitten in einem Arbeitstag ausrücken musst?

Diese Frage kann nicht so allgemein beantwortet werden. In Chur haben wir ungefähr 150 Alarmmeldungen im Jahr. Da ich nicht bei allen dabei bin, würde ich sagen, dass ich zirka zwei Mal im Monat an einem Arbeitstag ausrücken muss.

8 Was war dein kuriosester, lustigster, eindrücklichster, spannendster oder gar traurigster Einsatz für die Feuerwehr?

Da könnte ich zu allen Adjektiven mehrere Geschichten erzählen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, habe ich mich für den lustigsten und eindrücklichsten Einsatz entschieden:

Vor einigen Jahren wurde im Frühjahr ein Flurbrand neben der Hauptstrasse Richtung Araschgen gemeldet. Als ich vor Ort war, erhielt ich den Auftrag mit zwei «Frischlingen» zwei Druckleitungen ab Teilstück zu erstellen. Das heisst: Ab dem Tanklöschfahrzeug wird eine grosse Wasserleitung zu einem Teilstück erstellt. Von da an werden kleinere Druckleitungen für das Löschen aufgebaut.
Die neuen, sichtlich nervösen Kameraden holten je eine Druckleitung, schlossen diese am Teilstück an und rollten den Schlauch aus. Statt nun am Ende des Schlauchs je ein Strahlrohr für das Löschen anzubringen, haben sie beide Druckleitungen miteinander verbunden. Ich musste lachen und fragte die Kameraden wie sie nun den Flurbrand löschen wollten. Sie haben den Fehler bemerkt und pro Druckleitung ein Strahlrohr angebracht und den Brand gelöscht.

Der eindrücklichste Brand war der Postauto-Brand im vergangenen Jahr. Da wurde uns aufgezeigt, wie viel Kraft eine Feuer haben kann. 

9 Warum bist du für die freiwillige Feuerwehr tätig?

Zu Beginn war es reine Neugier. Ich wollte zur Feuerwehr, weil Freunde dabei waren. Mit der Zeit wurde aus der Neugier ein «Hobby» bei dem ich sehr viel im Umgang mit Feuer kennen lernte. Spannend finde ich, wie umfangreich die Arbeiten bei der Feuerwehr sind und dass man nie ausgelernt hat.

10 Gibt es Parallelen zu deiner Tätigkeit bei der Feuerwehr und deiner Arbeit bei der RhB?

Es gibt sehr viele Parallelen. Die geschäftsübergreifende Zusammenarbeit bei der RhB funktioniert gleich wie die Teamarbeit bei der Feuerwehr. Bei beiden gilt: «Gemeinsam sind wir stark». Auch sich ständig neuen Situationen anzupassen, sehe ich ähnlich. Bei der RhB haben wir saisonale Schwankungen und müssen uns stetig verbessern. Gleiches gilt bei der Feuerwehr. Mit jeder Übung und jedem Einsatz lernt man dazu und verbessert sich.

Copyright: Mattias Nutt

Es wurden noch keine Kommentare erfasst.

Was ist Ihre Meinung?

Fehler