10 Fragen an...

Laura Caluori, Assistentin Arealentwicklung

Weichen stellen für erfolgreiche Arealentwicklung

Erika Suter, Redaktorin, 05. November 2019

1 Laura, kannst du dich kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Laura Caluori. Ich bin 26 Jahre alt und komme aus Bonaduz. Seit Juni 2016 arbeite ich bei der RhB in der Abteilung bei den Immobilien im Geschäftsbereich Finanzen. In den letzten dreieinhalb Jahren konnte ich praktische Erfahrungen im Bereich Immobilienentwicklung sammeln. Ich bin Dipl. Betriebswirtschafterin HF und mache aktuell die Weiterbildung zur Immobilienentwicklerin mit eidgenössischem Fachausweis in Zürich. 

2 Die Zersiedelung ist ein zentrales Thema in unserem Land. Worum geht’s?

Seit Menschengedenken spielt Siedlungsentwicklung eine wichtige soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rolle. In der Schweiz, mit ihrem begrenzten Angebot an bebaubarem Land, ist die Raum- und Siedlungsentwicklung eine besonders drängende Angelegenheit. Die langfristige Entwicklung unseres Lebensraums ist in der Eidgenössischen Bundesverfassung und im Bundesgesetz über die Raumplanung (RPG) verankert. Ein angestrebtes Ziel der Raumplanung ist die Siedlungsentwicklung nach innen. 

3 Entwicklung nach innen: Was bedeutet das konkret?

Man möchte schlecht genutzte Bauzonen, Baulücken und Siedlungsbrachen verdichten, bevor neues Bauland erschlossen oder gar neu eingezont wird. Städte und Dörfer sollen sich nicht mehr an ihren Rändern, sondern innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes weiterentwickeln. Dadurch soll die Zersiedelung gebremst und das Kulturland und die Landschaft geschont werden. Die anhaltenden politischen Diskussionen über die Einschränkung von Neubauflächen und das verdichtete Bauen weisen auf zwei Langzeittrends hin: weniger Bodenverschleiss sowie intelligente und nachhaltige Nutzung des Bestehenden. 

4 Und wo kommt bei dieser Diskussion nun die RhB ins Spiel?

Die erwähnte Innenentwicklung trägt dazu bei, dass die Potenziale an öV-seitig gut erschlossenen Siedlungslagen genutzt werden sollen. Die RhB besitzt verschiedene Grundstücke auf dem Streckennetz, die aufgrund ihrer zentralen Lage ein entsprechendes Entwicklungspotenzial aufweisen. Wir sind bestrebt, die grösseren und zentral gelegenen Bahnhofareale nachhaltig zu bewirtschaften, um das rare Gut Boden zeitgerecht bereitzustellen. 

5 Was heisst das genau?

Die Areale sollen besser in Wert gesetzt und als attraktive, belebte und gut erschlossene Dienstleistungszentren positioniert werden – dies ganz im Sinne der Eignerstrategie des Kantons Graubünden. Nebst der Rhätischen Bahn als Eigentümerin dieser Areale interessieren sich in der Regel auch Städte, Gemeinden und die Wirtschaft für deren Nutzung. 

6 Wie geht die RhB bei der Planung der weiteren Entwicklung vor?

Als erster und zentraler Schritt zur Entscheidung für eine Immobilienentwicklung wird eine Standort- und Marktanalyse erstellt. Sie liefert die Basis für die weitere strategische Planung. Hier werden die Weichen für eine erfolgreiche Entwicklung gestellt. 

7 Wie ist der aktuelle Stand? Wo gibt es konkrete Veränderungen?

Die RhB steht aktuell mit rund 15 Standorten in unterschiedlichen Projektphasen. Je nach Projekt und Verfahrensstand konnten im letzten Jahr wichtige Meilensteine erreicht werden. 

8 Kannst du zwei, drei Projekte etwas genauer umschreiben?

Am weitesten fortgeschritten sind die Arealentwicklungsprojekte in Domat/Ems, Ilanz und Pontresina. Die Gemeinde Ilanz/Glion wird am Bahnhof Ilanz ein neues, attraktives Bahnhofgebäude erhalten. Die heutige Station mit angrenzendem, kleinem Kiosk weist einen hohen Sanierungsbedarf aus und passt auch nicht mehr in die neu geschaffene Umgebung. Wir planen ein neues, mehrgeschossiges Bahnhofgebäude mit publikumsorientierter Nutzung im Erdgeschoss sowie flexibler Nutzung der Obergeschosse als Geschäfts-, Ausbildungs- und Wohnräume. Ähnlich sieht es in Domat/Ems aus. Auch hier soll ein neues, mehrgeschossiges Bahnhofgebäude erstellt werden. Gleichzeitig soll das Bahnhofareal mit einer verbesserten Ankunfts- und Verweilsituation sowie Parkplätzen umfassend neugestaltet werden. Für das Arealentwicklungsprojekt in Pontresina erarbeiten wir aktuell eine Überbauungs- und Erschliessungskonzeption. Das Spezielle an diesem Standort ist, dass es zu Teilen auf dem Gemeindegebiet von Pontresina und von Celerina liegt.

9 Wie sieht die Zukunft für die Arealentwicklung bei der RhB aus?

Uns ist es bewusst, dass „Land“ in der Schweiz ein äusserst beschränktes Gut ist und deshalb müssen wir realistisch und nachhaltig handeln. Uns stehen für eine mögliche Entwicklung nicht unendlich viele Flächen mit Potenzial zur Verfügung. Die Areale, welche die RhB heute besitzt sind wertvoll und wir müssen daraus das Beste machen. 

10 Vielen Dank für diesen Einblick, Laura!

Sehr gerne. 

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