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Jetzt gilt: Litzirüti statt Arosa

Der 1914 in Betrieb genommene Arosertunnel wird bis ins Jahr 2022 komplett ersetzt und zwischen Litzirüti und Arosa gibt es eine Totalsperre. Vor welchen Herausforderungen nun unsere Rangierarbeiter deshalb stehen, erklären wir euch in diesem Artikel.

Fabienne Kühne & Philipp Weideli, 06. Oktober 2020

Was ist eine Totalsperre?

In der Bahnbranche ist bei einem Unterbruch einer Strecke über längere Zeit von einer Totalsperre die Rede. Meist ist diese Massnahme aufgrund Bauarbeiten unumgänglich und oftmals steht den Fahrgästen eine Beförderung per Bus als Bahnersatz zur Verfügung. So auch im Projekt im Zusammenhang mit dem Arosertunnel. 

Solche Projekte werden meist über Jahre geplant und es wird bereichsübergreifend dafür gesorgt, dass die Bedürfnisse aller Parteien berücksichtigt werden. Im Vordergrund steht immer, dass die Fahrgäste möglichst wenig von der Einschränkung bemerken und es werden hierfür nebst der organisierten Busverbindung auch Provisorien mit Perronanlagen, Stauraum und Wendeschlaufe für Busse errichtet.

Warum muss der Arosertunnel erneuert werden?

Der Umbau bildet das erste Glied in einer ganzen Kette umfangreicher Massnahmen, die in den kommenden Jahren notwendig werden, um die Angebotserweiterung, die Verbesserung der Ein- und Ausstiegsituation in den Bahnhöfen (Behindertengleichstellungsgesetz), die Modernisierung der Stellwerke und das Konzept der Systemzuglänge im Schanfigg nachhaltig umzusetzen.

60 Promille Steigung statt flachen Terrains

Die dafür benötigte Totalsperre Litzirüti - Arosa hat am Abend des 6. September 2020 begonnen und dies ist nicht nur für die Arbeitenden auf der Baustelle des Arosertunnels der Beginn einer grossen Herausforderung, sondern auch für unsere Rangiermitarbeitenden. Sie mussten ihren Arbeitsort kurzerhand für eine befristete Zeit nach Litzirüti verlegen.

Bei Ankunft eines Triebzuges aus Chur werden die Fahrgäste mit Bussen weiter nach Arosa transportiert und somit muss neu in Litzirüti rangiert werden, statt in Arosa. Die sicherheitsrelevanten Abläufe sind umfangreicher und gestalten sich etwas komplizierter als wenn nach Arosa gefahren wird. Denn in Arosa finden die Manöver mehrheitlich auf flachem Terrain statt. In Litzirüti jedoch müssen sie mit einer Steigung von bis zu 60 Promille fertig werden!

Dank perfekter Vorbereitung eine gute erste Phase

Weit im Voraus wurde eifrig geplant und Vorkehrungen in die Wege geleitet. So galt es alle Abläufe zu planen, die Zugsumläufe zu ändern, die Kundeninformation aufzugleisen, den Bahnersatz zu organisieren, die Station Litzirüti provisorisch auszubauen und vieles mehr. Auch das Konzept der Bündner Güterbahn musste vorgängig erarbeitet werden.

Nach anfänglicher Nervosität und Anspannung am ersten Betriebstag ist die erste Phase gut angelaufen. Die abzuwickelnden Rangierbewegungen in der Steigung bzw. im Gefälle sind herausfordernd und erfordern Fingerspitzengefühl. Die bisher gemachten Erfahrungen seitens Rangierpersonal, der Buschauffeure, des Sicherheitspersonals, der Lokführer und der Zugbegleiter fliessen laufend in das tägliche Betriebskonzept mit ein. 

Für die Instandsetzung des Arosertunnels wird der Streckenabschnitt Litzirüti - Arosa der Rhätischen Bahn vom 07. September bis 29. November 2020 und von Mitte April bis Ende November 2021 für den Zugverkehr gesperrt. Es verkehrt ein leistungsfähiger Ersatzbetrieb mit Bussen zwischen Litzirüti und Arosa. Weitere Infos gibt es hier.

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