Hinter den Kulissen

Gleisbau bei der RhB - was verbirgt sich dahinter?

Jonas Krummenacher arbeitet als Gleisbauer bei der Rhätischen Bahn. Eintönige Arbeit? Ganz sicher nicht! Der Gleisbau bei der Rhätischen Bahn umfasst eine breite Palette an verschiedenen Tätigkeiten. Wir erklären sie euch in diesem Artikel.

Lorena Campa, Praktikantin Marketing-Kommunikation, 28. April 2020

Die Schweiz hat mit über 5 000 Kilometern Gleise das dichteste und meistbefahrene Schienennetz der Welt. Unsere Schmalspurbahn umfasst davon 384 Kilometer und ist auch bekannt als die grösste Meterspurbahn der Schweiz. Der Bezirk Albula umfasst 62 Kilometer und verfügt über 22 Angestellte beim Bahndienst. In diesem Bezirk ist auch Jonas Krummenacher angesiedelt. 

Die Sicherheit der Mitarbeiter steht an oberster Stelle

Jonas Krummenacher arbeitet bei guten und schlechten Wetterkonditionen auf Viadukten oder Brücken. Die Strecke des Bezirk Albula umfasst rund 36 Tunnel und 129 Brücken (inklusive Bachdurchlässe und Überführungen). Die Baustellen befinden sich auf ca. 600 bis 1 709 Meter über Meer. 

Wichtig für die RhB und deren Angestellten ist deshalb die richtige Arbeitskleidung. In den meisten Fällen befindet sich der Bahndienst «auf offener Strecke». Schutzkleidung mit Leuchtstreifen und festes Schuhwerk in Form von Sicherheitsschuhen (Stahlkappen) sind daher ein Muss. Ebenfalls gibt es Schulungen und Weisungen zu den wichtigen Verhaltensregeln im Gleisbereich.

Für die Sicherheit des Bahndienstes während der Arbeiten am Tag, wenn der Zugbetrieb aufrechterhalten wird, sorgt jeweils der sogenannte «Sicherheitswärter». Dieser ist speziell dafür ausgebildet und für eine rechtzeitige Warnung des Personals vor herannahenden Zügen verantwortlich.

Bei Nachtarbeit, wenn keine weiteren Züge fahren, ist der «Sicherheitschef» für die Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen auf Arbeitsstellen im und am Gleis verantwortlich. 

Der Neubau eines Fahrweges

Bei einem Neubau werden Schienen verlegt, wo noch nie welche standen. Im letzten Jahr wurde nach einer dreijährigen Plan- und Bauzeit die Doppelspur Sils i.D. – Thusis realisiert. 

Auf dieser Baustelle benötigte die RhB zuerst Platz für ein neues, zusätzliches Gleis. Eine externe Tiefbaufirma erstellte eine neue Stützmauer sowie das Trasse mit der Vorschotterung. Im Anschluss hat der Bahndienst die Schwellen auf der Vorschotterung mit einem Abstand von 60 cm verlegt und die neuen Schienen montiert. Danach wurde das ganze Gleis eingeschottert, sodass die Richt- und Stopfmaschine das Gleis in die richtige Lage bringen konnte.

Die Richt- und Stopfarbeiten sowie das Planieren hat die Sersa Group AG übernommen, da sie im Besitz von solch grossen Gleisbaumaschinen ist. Das Ende der Schienen wurde durch die Sersa Group AG unter Beihilfe vom Bahndienst mit Thermit zusammengeschweisst.

Wie werden die Schienen zu den Baustellen geliefert?

Die RhB bestellt die Schienen mit einer Länge von 60 oder 30 Meter beim Hersteller. Dieser liefert diese zum Materiallager in Landquart. Von dort aus werden sie mit speziellen Schienenablade-Kompositionen der Bündner Güterbahn auf die Baustellen verteilt und vor Ort durch den Bahndienst abgeladen.

Wenn die Nacht zum Tag wird

Für einen Teil des Teams beginnt im Sommer der Arbeitstag auf den Baustellen wie zum Beispiel bei der Doppelspur in Sils i.D. dann, wenn andere Feierabend machen. Um den Bahnverkehr der Rhätischen Bahn tagsüber sicherzustellen, sind längere und komplexere Arbeiten, wie zum Beispiel ein grösserer Schienenwechsel ab 20 Meter in der Nacht einfacher und meistens sogar ohne Unterbrechungen realisierbar. 

Die Arbeitsplanung der Mitarbeiter wird unter der Einhaltung des Arbeitsgesetzes erstellt. Beispielsweise dürfen maximal vier Wochen Nachtschicht eingeteilt werden, daraufhin müssen zwingend zwei Wochen «Tagdienst» folgen. 

Im Winter arbeitet der Bahndienst des Bezirk Albula nur in Ausnahmefällen in der Nacht. Beispielsweise wenn die Mitarbeitenden für Schneeräumungen in der Frühschicht benötigt werden.

Der Unterhalt und die Wartung des bestehenden Fahrwegs

Die bereits bestehenden Gleise müssen unterschiedlich im jeweiligen Rhythmus instand gehalten werden.

  • «Stopfen», ist eine angewandte Methode, um vertikale Unebenheiten und horizontale Verschiebungen in der Gleislage durch Anheben und/oder Verschieben des Gleises, Weichen und Kreuzungen durch Unterfüttern der Bahnschwellen mit Schotter zu beseitigen.
  • Schienenbefestigungen nachziehen oder auswechseln.
  • Der Schienenwechsel wird durchgeführt, wenn die Schienen abgefahren sind, das heisst, wenn sie nicht mehr genügend Profil aufweisen, die Schwellen und der Schotter aber noch gut erhalten sind.
  • Die Böschungspflege wird in Form von Mähen oder Jäten am Rande des Gleises durchgeführt, damit das Unkraut oder Gras nicht in den Fahrweg wächst.
  • Die Weichen werden geschmiert, damit diese nicht rosten und klemmen.

Böschungsmäher

Der Streckenwärter – ein weiteres wichtiges Teammitglied

Eine weitere wichtige Person des Teams im Bezirk Albula ist der Streckenwärter. Dieser kontrolliert wöchentlich die gesamte Eisenbahnstrecke zu Fuss (Reichenau-Tamins bis Preda). 

Hauptaufgabe des Streckenwärters ist die Kontrolle auf Veränderungen und Beschädigungen am Gleis wie Schienenbrüche oder Spurveränderungen und die Einleitung der notwendigen Massnahmen. Behebbare Zustandsänderungen, wie beispielsweise locker gewordene Gleisbefestigungen, behebt der Streckenwärter mit dem mitgeführten Werkzeug umgehend selbst. Nicht sofort behebbare Mängel müssen markiert und umgehend dem zuständigen Bahnmeister gemeldet werden. 

Der Lohn für die Mühe

Die harte Arbeit als Gleisbauer wird unter anderem durch die teils unberührte Natur, frische Luft und das meist wunderschöne Wetter in Graubünden, belohnt. 

Der Bahndienst der gesamten Rhätischen Bahn ist stets bemüht, den Fahrgästen eine angenehme sowie unvergessliche Reise zu bieten.

Möchtest auch du als Gleisbauer bei der RhB tätig sein und beim Bau und Unterhalt mitwirken? Aktuell sind in Chur und Thusis Stellen frei! 

2 Kommentare

Dieter Wegel 04.05.2020

Salü mitanand, toller Artikel, vielen Dank Lorena, sehr gut gemacht. Ich finde es super das Ihr uns diese Details präsentiert. Letztes Jahr hatten wir das Glück den Jonas kennenzulernen als er jeden Abend in Bergün zur Baustelle hinter Stuls aufbrach. Er hat uns auch mit seiner sympathischen und kommunikativen Art sehr begeistert und wir konnten richtig sehen wie glücklich und stolz er ist, eine solch verantwortungsvolle Tätigkeit auszuführen - damit überbringt bitte herzliche Grüße an Jonas. Ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder in Bergün oder Umgebung. Macht weiter so, diese Artikel sind die Würze der RhB. Ein jahrelanger RhB Fan und Clubmitglied grüßt Euch alle. Allegra und bleibt gesund, Dieter

Antworten
Reply Admin Profile Rhätische Bahn (RhB) 05.05.2020

Lieber Dieter, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar, über welchen wir uns sehr gefreut haben! Dass du unseren Blog so schätzt, freut uns ganz besonders. Auch werden wir die Grüsse an Jonas sehr gerne ausrichten. Wir hoffen, dich bald wieder bei uns an Bord begrüssen zu dürfen und wünschen dir alles Gute!

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