10 Fragen an...

Gianni Parpan, Berufsjäger

Am 10. Oktober 2020 fand die Wildfahrt in Zusammenarbeit mit Berufsjäger Gianni Parpan und der Panoramic Gourmet AG, dem Cateringpartner der RhB, erneut statt.

Annina Felix, Praktikantin Produktmanagement, 20. Oktober 2020

Während sich die Fahrgäste auf der Reise von Chur durchs Prättigau ins Engadin mit einem leckeren 4-Gänge-Wildmenü verwöhnen lassen durften, berichtete der Berufsjäger Gianni Parpan über seine eindrücklichsten Erlebnisse auf der Bündner Hochjagd und stellte sich anschliessend unseren «10 Fragen an…». 

1 Wie bist du zur Jagd gekommen?

Da bin ich erblich vorbelastet. Mein Vater und seine Brüder, mein Grossvater und dessen Brüder, mein Urgrossvater... Soweit ich meine Vorfahren zurückverfolgen kann, waren die Parpan's seit jeher begeisterte Hoch- und Niederjäger. Von daher war es naheliegend, dass auch mein Bruder und ich mit Leidenschaft jagen.

2 Was fasziniert dich an der Bündner-Hochjagd am meisten?

Faszinierend finde ich, wie das Leben in manchen Bergdörfern und Tälern in Graubünden im September durch die Jagd andere Prioritäten bekommt. Läden sind geschlossen, Familien verzichten auf ihre Liebsten, Arbeitgeber auf Mitarbeiter, viele Jäger auf Komfort. Und doch findet und spürt man überall Freiheit und Stolz - die Bündner Jagd verbindet.

3 Was macht für dich ein erfolgreicher Jagdtag aus?

Jagderfolg wird in meinen Augen nicht zwingend an der Beute gemessen, sondern am Erlebnis. Mit guten Freunden zusammen in unserer atemberaubenden Berglandschaft zu jagen, Pläne zu schmieden und zusammen Zeit zu verbringen, ist genau so wertvoll, wie ein Stück Wild zu erlegen.

Aber klar, am Abend müde in der Jagdhütte an einer grossen Tafel die Früchte der Jagd gemeinsam geniessen und mit einem guten Tropfen auf die Beute und das Erlebte anstossen zu können, macht den Tag dann noch perfekt.

4 Kürzlich ist die Bündner Hochjagd 2020 zu Ende gegangen. Kannst du auf eine erfolgreiche Jagd zurückblicken?

Ja, ich durfte im Kreise der Familie wie auch mit guten Freunden einige herrliche Hochjagdtage erleben. Wir konnten alle wieder gesund und unfallfrei zu unseren Liebsten zurückkehren und ein knappes Dutzend Hirsche, sowie Rehe und Gämse erlegen. Sehr schön und erfolgsversprechend fand ich die Schneefälle in der letzten Jagdwoche, zum ersten Mal seit drei Jahren durften wir wieder mit Schnee im September jagen.

5 Was war dein bisher schönstes Erlebnis auf der Jagd?

Da gibt es viele und immer wieder neue. Die Natur hält so viele Wunder für uns bereit. Wer ihr mit offenen Sinnen begegnet, kann sich verzaubern lassen. Sei es durch einen uralten knorzigen Baum im Nebel, einen mystischen Fliegenpilz, die Morgenstimmung oder durch die Brunftschreie der Rothirsche, etc. Es sind die kleinen Dinge, die in der Routine durchbrechen und die man in vollen Zügen geniessen kann. Es ist nicht die Erlegung eines Tieres, wie viele Nicht-Jäger vielleicht denken. 

6 Plagt dich manchmal das Schuldgefühl, wenn du ein Tier erlegst?

Nein, plagen dich denn Schuldgefühle wenn du Fleisch isst? Wo Fleisch gegessen wird, müssen Tiere dafür sterben, egal, ob diese von einem anderen Tier oder von einem Menschen gegessen werden. Ein ganz natürlicher Prozess. Für Gemüse oder Obst sterben oft noch viel mehr Tiere, die nicht verwertet werden, wenn ich da an den ganzen Pestizid-Einsatz oder die grossen Monokulturen denke, die immer mehr in der globalen Landwirtschaft verwendet werden.

Da schätze ich es sehr, ein Stück gesundes, einheimisches Fleisch vor mir auf dem Teller zu haben, das ich selber lebend gesehen habe, mit einem sauberen Schuss schmerzfrei in seiner natürlichen Umgebung erlegen durfte und selber zum hochwertigen und gesunden Lebensmittel verarbeiten kann.

Im Moment der Schussabgabe bin ich voll fokussiert und konzentriert. Später am erlegten Tier empfinde ich ganz selten Demut oder Reue, sondern vielmehr Freiheit, Respekt gegenüber der Kreatur und immer Dankbarkeit.

7 Heute bist du Berufsjäger. Wie sieht der Arbeitsalltag eines Berufsjägers aus?

Da ich weder im klassischen Revierdienst noch als Wildhüter tätig bin, sondern als Geschäftsführer für die Prowaidwerk GmbH im Einsatz stehe, habe ich einen sehr vielseitigen und abwechslungsreichen, saisonbedingten Alltag. Die Prowaidwerk GmbH ist eine jagdliche Dienstleitungsfirma, die vor allem kantonalen Behörden, Jagdpächtern, Grossgrundbesitzern, Umweltverbänden etc. beratend, aber auch ausführend jagdlich zur Seite steht. Ich sage immer, ich löse Probleme, die vielen gar nicht bekannt sind. 

8 Was sind die grössten Herausforderungen der Branche?

Eine jagdliche, private Dienstleistungsfirma, wie die Prowaidwerk GmbH, stellt in der Schweiz ein Novum dar. Dies bedeutet für uns als quasi «Marktführer» und viele Chancen. Es braucht aber auch viel Energie und Unternehmergeist, bisher verschlossene oder unangetastete Türen zu öffnen. Auch manch konservativer Jäger versteht nicht, warum mit Jagen noch Geld verdient werden muss. Der Zusammenhalt unter den Jägern, wie auch das Verständnis für die Jagd unter Nicht-Jägern, sehe ich in einem der ältesten Berufe der Welt, wie auch für die Jägerschaft selber als grosse Herausforderung für die Zukunft. 

9 Was ist dein grösster Traum?

Mein Sohn Elia wird im Januar zwei Jahre alt, sein Brüderchen ist noch mit dem Storch unterwegs. Ihnen die Faszination Natur und Jagd weiter zu geben, liegt mir sehr am Herzen. Die Jagdprüfung soll aber für die beiden kein Muss sein. Und dennoch ist es ein sehr schöner Gedanken, einmal mit ihnen gemeinsam aktiv zu jagen, am liebsten noch zusammen mit meinem Vater. Drei Generationen vereint auf der Bündner Jagd, das wäre mein Traum.

10 Am 10. Oktober 2020 hast du die Wildfahrt zusammen mit Panoramic Gourmet AG bereits zum zweiten Mal begleitet. Was gefällt dir an solchen Events besonders?

Es ist ein einmaligen Erlebnis, das hochwertige Lebensmittel «Wild», von Profiköchen exzellent zubreitet, bei diseser Genussfahrt durch unseren schönen Bergkanton in einem nostalgischen Wagen zu geniessen. Auch nutze ich als Berufsjäger gerne jede Möglichkeit, Vorurteile und Mythen über die Jagd der «nicht-jagenden Bevölkerung» zu erläutern und zu erklären und Red und Antwort zu stehen. Im Sinne von «Tue Gutes und sprich darüber».

Es wurden noch keine Kommentare erfasst.

Was ist Ihre Meinung?

Fehler