Erlebnisse

Ein Besuch im Bahnmuseum Albula

Ein Erlebnisbericht von einem Sonntagsausflug ins Bahnmuseum Albula in Bergün.

Fabian Bleuler, Praktikant Marketing-Kommunikation & E-Business, 25. Oktober 2019

Thusis, Gleis 3, Sonntag 10.20 Uhr. Der Himmel ist stark bedeckt und ich noch nicht so recht wach. Neben mir trudeln immer mehr Leute ein, die ebenfalls Richtung St. Moritz unterwegs sind. Pendler, aber hauptsächlich Touristen. Es ist schliesslich Sonntag. Pünktlich um 10.30 Uhr trifft der Interregio mit Ziel St. Moritz in Thusis ein. Mein Ziel ist heute aber nicht St. Moritz, sondern Bergün, Treffpunkt von Bahnfans aus aller Welt.

Der Zug setzt sich in Bewegung und der Lautsprecher verkündet sogleich, dass wir uns auf einem geschichtsträchtigen Bahnabschnitt bewegen. Die Strecke von Thusis bis nach Tirano ist nämlich seit 2008 als UNESCO Welterbe eingetragen. Die Strecke durch das Albulatal über das Berninamassiv bis nach Italien stellt eine bahntechnische Meisterleistung dar. Sie verfügt über diverse Tunnels, Kehrtunnels und einzigartige Brückenkonstruktionen, die ihresgleichen suchen. Kurz nach der Abfahrt gelangt der Zug in die Schinschlucht, welche durch ihre wilde Natur und steil abfallenden Felswände zu imponieren weiss. Die atemberaubende Aussicht wird ab und zu durch einen kurzen Tunnel unterbrochen, was die Faszination, welche die Strecke auf mich ausübt, nicht im Geringsten trübt. 

Die Minuten verstreichen, wir passieren einige weidende Kühe und kommen schliesslich kurz vor Filisur zum Highlight der Albulalinie, dem Landwasserviadukt. Das fotogene Bauwerk besticht mit seiner eleganten Rundbogenkonstruktion sowie einem dramatischen Finale, dem Verschwinden des Zugs in der senkrechten Felswand.

Mein Foto-Tipp:
Die beste Perspektive für dieses Schauspiel bietet sich meiner Ansicht nach nicht vom Zug aus, sondern von einem der Aussichtspunkte ober- und unterhalb des Viadukts. Diese sind von Filisur aus gut zu Fuss über einen Wanderweg zu erreichen.

Kurz nach dem Viadukt treffen wir beim Bahnhof Filisur ein. Dieser kleine Bahnhof versprüht bis heute den Charm einer längst vergangenen Zeit, denn er verfügt immer noch über ein Läutewerk, welches die Zugankunft fröhlich mit einem «Ding-Ding» verkündet.

Bahnhof Filisur

Da der Zug nach Filisur nur noch etwa 10 Minuten benötigt bis er in Bergün ankommt, mache ich mich schon mal bereit auszusteigen. Obwohl, es ist keine Eile angesagt, denn das Bahnmuseum liegt gleich am Bahnhof Bergün und ist somit ideal mit dem Zug erreichbar.

Aussenansicht des Bahnmuseums in Bergün

Vor dem stattlichen Museumsgebäude werde ich von einem alten, im RhB-Rot gehaltenen Wagen, sowie der GE 6/6 I, der Krokodillok mit der Nr. 407, begrüsst. In dieser Lok befindet sich ein Fahrsimulator, der jeweils nachmittags geöffnet ist und Spass für Jung und Alt bereithält.

Fahrsimulator

Nachdem ich mich draussen umgeschaut habe, betrete ich das Museumsgebäude. Im Eingangsbereich befindet sich ein Restaurant, welches ich aber vorläufig auslasse, da ich mir die Ausstellung anschauen möchte. Das Museum bietet einen Querschnitt durch die gesamte Geschichte der Rhätischen Bahn: Von ihrem Ursprung 1889 als Schmalspurbahn «Landquart – Davos», bis in die heutige Zeit. Es erklärt den Ursprung und die Schwierigkeiten des Eisenbahnbaus in Graubünden Schritt für Schritt mit vielen Tonaufnahmen und Filmen. Neben den vielen Zeitzeugen in Form diverser Exponate, bietet mir das Museum aber auch interaktive Möglichkeiten zum Thema Eisenbahn, wie zum Beispiel die Bedienung eines Stellwerks oder eines Fahrsimulators. Kinder können sich auch darin versuchen, ihr eigenes Viadukt aus Holzbausteinen zu bauen und lernen so etwas über die Konstruktion dieser architektonischen Wunderwerke. Modellbahnfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn es gibt viele Lokomotivmodelle zu sehen. Neben einer Modelleisenbahn-Anlage, wo regelmässig Züge ihre Runden drehen, gibt es auch grössere und detailreiche Vitrinenmodelle zu sehen.

Die spannende Entdeckungstour durch das Bahnmuseum Albula hat mich hungrig gemacht. Ich gehe also zurück zu meinem Startpunkt, den Eingangsbereich mit dem Restaurant. Dieses war immer noch gut besetzt, obwohl es schon nach 13.00 Uhr war. Ich entscheide mich deshalb, einen kleinen Abstecher nach Bergün zu machen und dort etwas zu essen. Glücklicherweise ist man innerhalb von fünf Gehminuten mitten im malerischen Bergün mit seinen traditionellen Häusern im Engadinerstil.

 

 

Dorfkern von Bergün

Nach einem kurzen Spaziergang durch Bergün und einer kleinen Stärkung in einem der Restaurants begebe ich mich zurück zum Bahnhof, um den nächsten Zug zurück nach Thusis zu erwischen. Es war ein sehr spannender und auch lehrreicher Tag. Das Wetter hat sich mittlerweile auch etwas gebessert. Insgesamt kann ich sagen, dass mir der Besuch sehr viel Spass bereitet hat und der Ausflug ins Bahnmuseum Albula sowohl für Bahnenthusiasten als auch für Familien sehr empfehlenswert ist und sich gut als «Schlechtwetterprogramm» anbietet.

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