Kurz erklärt

Die elektrische Weichenheizung

Auf dem gesamten Streckennetz der RhB sind an 103 Standorten elektrische Weichenheizungen installiert. Was hat es damit auf sich?

Markus Bauhofer, Projektleiter, 20. März 2020

Kampf gegen Eis und Schnee

Weichenheizungen sollen den Bereich zwischen Weichenzunge und Backenschiene (siehe Bild unten) nach der Reinigung möglichst lange schnee- und eisfrei halten. Die Weichenheizung ist kein Ersatz für die mechanische Reinigung, kann diese aber unterstützen und stellt sicher, dass die Weichen bei tiefen Temperaturen nicht vereisen. So wird gewährleistet, dass der Bahnbetrieb auch bei Eis und Schnee aufrecht erhalten werden kann. 

Automatisierung als logischer Schritt

Vor dem Jahr 2012 wurden auf dem Netz der RhB noch alle Weichenheizungen durch die Leitstelle oder den zuständigen Fahrdienst ein- oder ausgeschaltet. Diese manuelle Aufgabe wurde jedoch mit der Zeit immer schwieriger. Dies vor allem, weil Rückmeldungen fehlten und auch niemand für eine Intervention vor Ort anwesend war.

Ausserdem haben sich die Anforderungen an die Pünktlichkeit und Zugfrequenzen erhöht, was zur Folge hatte, dass die Heizungen viel zu früh oder zu lange eingeschaltet wurden. Im Extremfall wurden die Heizungen mit dem ersten Schnee eingeschaltet und mit dem letzten Schnee wieder ausgeschaltet.

Ein Zustand, der nicht nur wegen den Energiekosten, sondern vor allem auch aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht mehr tragbar war. Die Automatisierung der Weichenheizungen war deshalb nur ein logischer Schritt hin zu mehr Energieeffizienz.

Effizient und kostensparend

Die Weichen, welche automatisiert sind, werden gezielt auf eine feste Schienentemperatur von 30°C (Berninalinie 40°C) aufgeheizt. Diese Temperatur wird durch eine Regulierung konstant beibehalten. Ausserdem wird nach dem Wegfallen des Einschaltkriteriums, welches anfänglich aufgrund von Erfahrungen bei den anderen Bahnen definiert und anschliessend auf unsere Verhältnisse optimiert wurde, die Weichenheizung noch eine Stunde nachgeheizt.

Gute Zusammenarbeit ist trotz Automation das A und O

Die Automatisierung ermöglicht in den meisten Fällen einen sehr zuverlässigen Betrieb der Weichenheizungen. Doch das Wetter ist unberechenbar und die Verhältnisse auf dem 384 km langen Streckennetz der RhB sind überall anders.

Bei ausserordentlichen Wetterverhältnissen ist Erfahrung und individuelles Handeln eine wesentliche Voraussetzung damit keine Störungen auftreten. Die gute Zusammenarbeit von Bahndienst (Reinigung, Unterhalt und schmieren), Sicherungsanlagen (Betrieb der Weichen, Unterhalt der Antriebe) und Niederspannungsanlagen (Steuerung und Unterhalt der Heizung) ist unabdingbar.

Die Weichenheizung kann bei Schneefall und kalten Temperaturen nicht alle Probleme lösen, wird aber aufgrund unserer Erfahrung und den auf allen Stationen konstant analysierten Betriebswerten so optimiert, dass ein perfektes Gleichgewicht zwischen Energieeffizienz und Betriebssicherheit gewährleistet werden kann.

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