Hinter den Kulissen

Der Capricorn – schon gesehen?

Die RhB arbeitet intensiv an der Erneuerung ihres Rollmaterials: 36 Flügeltriebzüge hat das Bündner Bahnunternehmen beim Hersteller Stadler Rail 2016 in Auftrag gegeben, inzwischen sind fünf Fahrzeuge bei der RhB eingetroffen.

Erika Suter, Redaktorin, 15. Mai 2020

Die Neuzugänge hören auf den Namen «Capricorn», bündnerisch für Steinbock. Mit einem Auftragsvolumen von 361 Millionen Franken sind die neuen Capricorn-Triebzüge das grösste Beschaffungsprojekt in der Geschichte der RhB. Mit diesen Zügen wird in Graubünden erstmals der Flügelzugbetrieb möglich. Und die RhB wird jünger: Dank der 36 Capricorn können weit über 100 Fahrzeuge ausgemustert werden, das Durchschnittsalter der RhB-Flotte sinkt von 29 auf 22 Jahre.

Modern, komfortabel und behindertengerecht

Das Zuginnere des Capricorn kommt im gleichen Stil wie die beiden Vorgänger Allegra und Alvra daher: Die Materialien Holz und Stein werden modern interpretiert. Die Klimatisierung ist State of the Art: Der Capricorn erkennt den CO2-Gehalt der Luft automatisch. Jedes Abteil ist mit zwei Steckdosen ausgestattet und jeder Wagen besitzt ein Fahrgastinformationssystem mit breiten Flachbildschirmen. Ausserdem kann jeder Zuggast dem Lokführer über die Schultern blicken: Über Frontkameras wird nämlich der Ausblick aus dem Führerstand in den Fahrgastraum übertragen.

Damit auch für Familien mit Kindern das Reisen besonders angenehm ist, verfügen beide WCs über Wickeltische. Und auch sonst ist genügend Stauraum vorhanden: In den grossen Multifunktionsabteilen können bis zu zwölf Fahrräder oder mehrere Wintersportgeräte untergebracht werden. Drei Niederflureinstiege mit einer Breite von 1,2 Metern und Schiebetritten, zwei Rollstuhlplätze, ein rollstuhlgängiges WC und taktile Beschriftungen vereinfachen auch Menschen mit Handicap die Zugreise.

1. Klasse Abteil

2. Klasse Abteil

Ein Augenschein gefällig?

Die ersten fünf Fahrzeuge sind bei der RhB eingetroffen und befinden sich derzeit in der Betriebssetzung und die Mitarbeitenden werden geschult. Sobald es die betriebliche Lage zulässt, werden die ersten Betriebserprobungen mit Fahrgästen aufgenommen.

Ab Dezember 2020 sollen fahrplanmässig die ersten Capricorn eingesetzt werden, und zwar auf der Strecke Landquart – Davos – Filisur. Sobald genügend Fahrzeuge verfügbar sind, wird auch Landquart – Klosters – Davos / St. Moritz bedient. Die Capricorn-Triebzüge sollen künftig im Prättigau bis nach Davos und Filisur, im Engadin und im Bündner Oberland (Ilanz / Disentis) zum Einsatz kommen.

Interessierte erhalten im Herbst – sofern es die Situation rund um den Coronavirus zulässt - die Gelegenheit, die neuen Fahrzeuge zu besichtigen: Am 12./13. September 2020 soll in Landquart das RhB-Bahnfestival mit einem Tauffest für die ersten Capricorn-Triebzüge stattfinden.

Der «geflügelte» Capricorn

Der Capricorn ist ein Flügeltriebzug. «Flügeln» nennt man das Aufteilen eines Zuges in mehrere Zugteile. Dank dem Flügelzugbetrieb kann die RhB auf einspurigen Strecken den Halbstundentakt ohne aufwendige Streckenausbauten realisieren, was eine markante Produktivitätssteigerung für den Bahnverkehr bedeutet. Konkret besteht die Capricorn-Zugkomposition aus einem Antriebs-, einem Steuer- und zwei normalen Wagen. Es können bis zu vier Kompositionen zusammenhängt werden, was eine Zuglänge von rund 300 Metern ergibt – für Bähnler eine Freude wie an Weihnachten. Die zusammengeschlossenen Zugkompositionen verkehren sodann als ein Zug von beispielsweise Landquart nach Klosters Platz. In Klosters Platz wird der Zug zweigeteilt – eben geflügelt: Während ein Teil des Zuges nach Davos Platz weiterfährt, rollt der andere Teil nach St. Moritz. In der umgekehrten Richtung werden die beiden Flügeltriebzüge in Klosters Platz wieder automatisch zusammengeschlossen und verkehren dann gemeinsam nach Landquart.

Die Enthüllung des Capricorn

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