10 Fragen an...

Daniel Hauser, Projektmitarbeiter und Lokführer

Daniel Hauser kann das, wovon viele Kinder träumen. Er kann nicht nur eine Lokomotive fahren, sondern auch Flugzeuge fliegen. Im Interview erzählt der ehemalige Pilot von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen den beiden Berufen.

Bianca Kohler, Fachspezialistin Online und Mobile, 13. Januar 2020

1 Was machst du bei der RhB?

Ich bin bei der RhB 20% als Lokführer tätig und arbeite 60% als Projektmitarbeiter mit dem Fokus auf die Evaluation, Realisierung und Einführung der App «öV-Pad». Das ist ein neues Informationssystem, in dem Betriebsvorschriften, Spezifikationen zu den unterschiedlichen Wagen, Dienstpläne, Fahrpläne und viele weitere Informationen zusammengefasst und laufend aktualisiert werden. Später soll das nicht nur Lokführern die Arbeit vereinfachen, sondern auch Zugbegleitern und Traktorführern im Rangier- und Baudienst. Die Einführung ist für den März 2020 geplant.

2 Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Einen typischen Tag gibt es bei mir nicht. Ich bin immer einige Tage im Büro, aber dann auch wieder als Lokführer auf der RhB Strecke unterwegs. Heute habe ich mich beispielsweise mit einer Frau im Rollstuhl am Bahnhof in Landquart getroffen. Wir würden unsere Führerstandsfahrten auch gerne Personen mit eingeschränkter Mobilität anbieten und wollten nun testen, was alles beachtet werden muss, bevor wir auch diesen Service anbieten können. So müssen wir ausprobieren, wie wir den Rollstuhl im Führerstand platzieren müssen, damit die Teilnehmer sowohl etwas sehen, aber auch die Sicherheit nicht beeinträchtigt wird. Schliesslich muss der Lokführer beispielsweise auch noch den Feuerlöscher erreichen können oder bei anderen Notfällen schnell zu den Passagieren kommen.

3 Was hast du vor der RhB gemacht?

Ich habe ursprünglich ein Studium in Geografie bis zum 2. Vordiplom absolviert. Anschliessend habe ich die Ausbildung zum Piloten bei der damaligen Swissair gemacht und dort einige Jahre als Pilot gearbeitet. Nach dem Grounding musste ich eine neue Herausforderung suchen und habe mich für die Ausbildung zum Lokführer entschieden. Als ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, wurde mir ein Job bei der Edelweiss Air angeboten. So konnte ich meine beiden Leidenschaften vereinen und habe 15 Jahre gleichzeitig als Pilot und Lokführer gearbeitet. Nebenbei durfte ich mich noch zum Fluglehrer auf dem Airbus A320 und zum Linecheck-Piloten ausbilden lassen um Piloten auf dem Flugzeug und im Simulator instruieren zu können. Da sich Edelweiss Air immer mehr vergrössert hat, konnte ich meinen Pilotenberuf leider nicht mehr Teilzeit ausüben und musste mich für einen Beruf entscheiden. Ich habe mich für den öffentlichen Verkehr entschieden und bin nun hauptberuflich bei der RhB tätig. 

4 Wieso hast du dich für die RhB entschieden?

Ich habe mit dem Grounding von Swissair erlebt, wie es ist, wenn man von einem Tag auf den anderen keinen Job mehr hat. Der öffentliche Verkehr bietet mir daher auch einen sicheren Arbeitsplatz. Andererseits war es für mich aber auch ein ökologischer Entscheid. Weil ich im Studium auch Fächer in Umweltschutz besucht hatte, habe ich recht viel Hintergrundwissen, was die gesamte ökologische und klimatische Entwicklung anbelangt. Fliegen ist für viele Leute nichts mehr Spezielles und ganz normal geworden. Ich konnte es daher einfach nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren und habe mich darum für einen Job im öffentlichen Verkehr entschieden. 

5 Was wolltest du als Kind werden?

Tatsächlich wollte ich schon als Kind Lokführer oder Pilot werden. So habe ich nach der Matura bereits an einem Tag der offenen Tür bei der SBB «Führerstandsluft» schnuppern können. Weil damals bei Swissair für die Ausbildung zum Piloten das 1. Vordiplom von Vorteil war und es zu jener Zeit genug Piloten hatte, hatte ich mich entschieden Geografie zu studieren. Während des Studiums habe ich dann bei Swissair die Selektion zum Linienpiloten gemacht und wurde angenommen. Als ich nach dem Grounding ohne Job dastand, konnte ich mich schliesslich noch meinen zweiten Bubentraum erfüllen und habe bei der RhB die Chance bekommen eine Ausbildung zum Lokführer zu machen. 

6 Was ist deine Lieblingsstrecke bei der RhB?

Das ist schwierig zu sagen. Mich fasziniert es vor allem die Veränderungen auf der Strecke wahrzunehmen. Es ist spannend zu sehen wie sich die Landschaften je nach Saison verändern. Fahrtechnisch ist meine Lieblingsstrecke aber ganz klar von Chur nach Disentis und wieder zurück. Die Fahrt durch die Rheinschlucht ist mit den Geschwindigkeitswechseln, den vielen Kurven und Haltestellen anspruchsvoll und das macht mir grossen Spass. Die schönsten Aussichten bietet aber ganz klar die Albulalinie von Chur nach St. Moritz. 

7 Was war deine Lieblingsdestination als Pilot?

Hier muss ich zwischen Lang- und Kurzstrecken entscheiden. Auf den Langstrecken war meine Lieblingsdestination White Horse in Kanada. Der An- und Abflug dort ist landschaftlich wunderschön und anspruchsvoll zugleich.

In Bezug auf Kultur und Technik war meine Lieblingsdestination klar Japan. Die Stadt Kochi in Shikoku am Pazifik ist von der Landschaft her schön und man kann von dort aus mit der JR Dosan Line (Kapspur) durch die Berge und nach Okayama zum Anschluss auf den Sanyo Shinkansen fahren. 

Auf den Kurzstrecken war fliegerisch meine Lieblingsdestination Madeira. Hier ist besonders die Landung sehr anspruchsvoll und wegen der speziellen Windverhältnissen, weiss man nie, ob man überhaupt landen kann. Die Windböen sind dort sehr unberechenbar und es kann durchaus sein, dass man allenfalls auf der Nachbarsinsel landen muss.

Geografisch ist meine Lieblingsdestination klar Island. Hier fasziniert mich das Wetter und der aktive Vulkanismus ganz besonders.

8 Wo verbringst du am liebsten deine Ferien – in der Schweiz oder im Ausland?

Meine Ferien verbringe ich am liebsten zu Hause in den Glarner Bergen. Dank abgeschlossenem Nebenfach in Geologie kann ich die unterschiedlichen Gesteinsschichten und Felsen lesen und einordnen. Ganz allgemein bin ich sehr gerne in der alpinen Natur unterwegs. Auch aus diesem Grund bin ich nicht gerne die klassische Badedestinationen auf der Langstrecke angeflogen, sondern war lieber auf der Kurzstrecke, wo ich zudem mehr zum eigentlichen Fliegen kam.

9 Was sind die Unterschiede zwischen Pilot und Lokführer und was ist ähnlich?

Als Lokführer und auch als Pilot hat man sehr hohe Ansprüche an sich selber. Man muss zuverlässig sein und sehr exakt arbeiten. Natürlich ist auch die Pünktlichkeit in beiden Berufen extrem wichtig. Als Captain muss man in der Lage sein, Entscheidungen strukturiert aber schnell zu fällen und die Entscheide haben immer sofortige Auswirkungen. Zudem hat man als Pilot im Vergleich zum Lokführer viel mehr Kundenkontakt und führt ein ganzes Team. Der Kundenkontakt fehlt mir teilweise etwas, das hat mir jeweils viel Freude bereitet. Darum stehe ich vor der Abfahrt gerne bei der Lok und stehe für Fragen zur Verfügung. Als Lokführer habe ich aber ganz klar mehr Zeit für mich selber. Als ich noch geflogen bin, musste ich teilweise um 5.00 Uhr aus dem Haus und war frühstens um 19.00 Uhr wieder zurück. Als Lokführer habe ich darum viel Lebensqualität gewonnen und mittlerweile sogar wieder Zeit für Hobbies. 

10 Was rätst du angehenden Lokführern?

Ich finde es wichtig, dass man immer zu sich und seinen Entscheidungen steht und mental präsent ist. Man sollte bereit sein die berühmte «Extrameile» zu gehen und den Fokus auf die Kunden nicht verlieren. Die Kundenorientierung stellt eine klare Identifikation mit dem Produkt dar.

2 Kommentare

Louise Schleuniger 25.01.2020

Herr D. Hauser hat ein besonderes Talent. Herzliche Gratulation

Antworten
Louise Schleuniger 25.01.2020

Herr D. Hauser hat ein besonderes Talent. Herzliche Gratulation

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