Kurz erklärt

Billett-Abrechnung im öffentlichen Verkehr

Wie erhalten die einzelnen Transportunternehmungen ihren gerechten Anteil am Billettpreis? Unsere Lernende Maja Rubischon erklärt es uns an einem Beispiel.

Maja Rubischon, Lernende KV öV im 3. Lehrjahr, 17. April 2020

Ich habe mich, wie viele andere Reisende wahrscheinlich auch, gefragt, wieso man eigentlich mit nur einem Ticket bei verschiedenen Transportunternehmen reisen kann. Als Lernende Kauffrau im öffentlichen Verkehr ist es ein Teil meiner Ausbildung das System des öffentlichen Verkehrs der Schweiz zu verstehen. Fragen wie die Aufteilung der Fahrpreise gehören hier auch dazu. Deshalb habe ich mich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt und möchte anhand eines praktischen Beispiels aufzeigen, wie das funktioniert.

Ein einzigartiges System

In der Schweiz haben wir ein einzigartiges System. Fast alle Transportunternehmen arbeiten eng miteinander zusammen und schaffen so gemeinsam ein Netz, das die ganze Schweiz abdeckt. Zusammen bilden sie eine Art nationaler Tarifverbund. Das ermöglicht uns durchgehende Abonnemente wie zum Beispiel das Generalabonnement oder auch Einzeltickets anzubieten. Müssten wir für jedes Transportunternehmen ein eigenes Ticket lösen, wäre das ganz schön aufwendig. In der Schweiz sind schliesslich über 240 Unternehmen im öffentlichen Verkehr tätig.

Ein praktisches Beispiel

Um die Aufteilung des Billettpreises zu erklären, habe ich eine Beispielticket erstellt. Eine Reise von Zürich, Platte nach Zillis, Viamala Schlucht. In unserem Beispiel reisen wir mit vier verschiedenen Transportunternehmen: Mit dem Tram des ZVV fahren wir von Zürich, Platte an den Hauptbahnhof und danach mit der SBB bis Chur, dort steigen wir auf die RhB um und reisen bis Thusis, um da auf das Postauto zu wechseln und die Viamala Schlucht in Zillis zu besuchen. Trotzdem müssen wir nur ein Ticket lösen. Bekommt aber nun nur das Unternehmen Geld, bei dem wir das Ticket gelöst haben?

Das Streckenabschnittmodell

Wenn wir als Kunde ein Ticket am Billettautomaten an der Tramhaltestelle des ZVV kaufen, unterstützen wir nicht nur dieses Unternehmen. Jedes am Ticket beteiligte Transportunternehmen bekommt seinen Anteil. Doch wie wird dieser Anteil ausgerechnet?

Die Billettpreise werden mit dem sogenannten Streckenabschnittmodell berechnet. Das Schweizer Liniennetz ist in Streckenabschnitte unterteilt, zum Beispiel Zürich – Chur (beides sind Haltepunkte). Dann werden die Tarifkilometer zwischen den beiden Punkten addiert und in einer Kilometertabelle abgelesen.

Der Kilometeranstoss

Es gibt Transportunternehmen, die nach dem sogenannten Kilometeranstoss rechnen. Diese gewähren einen Distanzrabatt, das heisst je weiter man reist, desto günstiger wird der Kilometerpreis. 

Die Kilometer der verschiedenen Unternehmen, welche den Kilometeranstoss verwenden, werden addiert und der Preis für die Gesamtkilometer werden in der Preistabelle abgelesen. Deshalb ist es noch günstiger, ein durchgehendes Ticket zu lösen anstatt für jedes Unternehmen ein eigenes.

In unserem Beispielticket rechnen die SBB und die RhB nach diesem System. 

Der Preisanstoss

Dann gibt es auch noch die Berechnung nach dem sogenannten Preisanstoss. Wie beim Kilometeranstoss werden die Kilometer in der Preistabelle abgelesen und so der Preis berechnet. Allerdings werden hier die Kilometer nicht mit denen der anderen Unternehmen verrechnet und es gibt keinen Distanzrabatt auf den Kilometerpreis. Trotzdem ist es in der Regel günstiger, diese Tickets nicht einzeln zu lösen, da es sich meistens um kurze Strecken handelt.

Es gibt einen Mindestfahrpreis pro Ticket. In der 2. Klasse mit Halbtax sind das CHF 2.20. Kauft man direkt die ganze Strecke bezahlt man nur den Kilometerpreis, auch wenn dieser für die Teilstrecken unter dem Mindestpreis pro Ticket liegt. 

Dieses System wird meist von touristisch orientierten Unternehmen wie Bergbahnen und Schiffen verwendet. In unserem Beispiel rechnen PostAuto und der ZVV nach dem Preisanstoss-Modell.

Und nun wird gerechnet...

  

AbgangsortZielortDistanz-
kilometer
Preis mit HalbtaxaboTransport-unternehmung
Zürich, PlatteZürich HB2 kmCHF 1.50ZVV
Zürich HBChur127 km
1 km
 CHF 25.50SBB
RhB
ChurThusis39 kmRhB
ThusisZillis, Viamala Schlucht5 kmCHF 1.80PostAuto

CHF 28.80

Von dem finalen Billettpreis von CHF 28.80 bekommt die SBB CHF 19.40 und die RhB CHF 6.10, gemäss ihrem Anteil an den Kilometer. PostAuto erhält CHF 1.80.

Hätte man die Tickets der einzelnen Transportunternehmen jeweils einzeln gelöst, hätte man dafür CHF 32.60 bezahlt.

Die den Transportunternehmen zustehenden Beträge werden dann über eine zentrale Saldierungsstelle im Auftrag von Alliance Swiss Pass verteilt. So kommt jedes Unternehmen zu seinem Anteil.

Viele Vorteile für den Fahrgast

Dieses System hat für den Fahrgast also enorme Vorteile. Tickets zu lösen ist nicht nur deutlich einfacher und bequemer, man spart sogar Geld damit. Wenn Sie das nächste Mal ein Ticket lösen, wissen Sie nun genau Bescheid, wie der Preis zustande kommt und wer einen Anteil davon erhält.

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