Blick zurück

Bezwinger der Berge – 20 Jahre Vereinatunnel

Heute vor 20 Jahren rollten die ersten Autos auf Schienen durch den längsten Tunnel der RhB – den Vereinatunnel.

Erika Suter, Redaktorin, 19. November 2019

Am 19. November 1999 war er endlich da, der grosse Tag: In Anwesenheit des damaligen Bundesrats und Verkehrsministers Moritz Leuenberger feierte man in Graubünden die Eröffnung des Vereinatunnels. Oberingenieur und Projektleiter der Rhätischen Bahn, Willy Altermatt, verschweisste symbolisch den letzten Schienenstoss – und dann hiess es: Bahn frei für die erste wintersichere Verbindung zwischen dem Prättigau und dem Unterengadin. Drei Tage später, ab 05:45 Uhr in der Früh, sausten bereits die ersten fahrplanmässigen Züge durch das Vereina-Massiv. Exakt 20 Jahre ist das her, und die rund 18 Minuten kurze Fahrt durch das Innere des Berges erleichtert seitdem zahlreichen Touristen und Pendlern die Reise vom und ins Engadin. Im ersten Jahr schon rollten 280 000 Fahrzeuge durch den Tunnel, heute sind es im Durchschnitt mehr als 480 000 jährlich.

Bauwerk der Superlative

Mit seinen 19 042 Metern ist der Vereinatunnel nicht nur der längste Tunnel der RhB, sondern auch der längste Meterspur-Eisenbahntunnel der Welt. Und das ist nicht der einzige Superlativ, den das Bauwerk vorzuweisen hat: Die erste Erweiterung des RhB-Streckennetzes seit 1914 war bislang auch die letzte und brachte das Gesamtnetz auf seinen heutigen stolzen Umfang von 384 Kilometern. Rekordverdächtig ist zudem die Tatsache, dass die Bauzeit statt der geplanten neun lediglich achteinhalb Jahre dauerte. Etwas mehr Zeit nahm allerdings die Planung und Umsetzung des Grossprojekts in Anspruch: Ganze 24 Jahre dauerte es von der ersten Idee der Schaffung einer lawinensicheren Verbindung zwischen Nordbünden und dem Unterengadin bis zur Eröffnung des Vereinatunnels. Bereits 1975 legte der Verwaltungsrat der Bündner Regierung die erste Studie für das bahnbrechende Projekt vor, zehn Jahre später sagte das Bündner Volk Ja. Nach Verabschiedung der Vorlage durch das Schweizer Parlament erfolgte 1991 der Spatenstich – acht Jahre später war der Berg bezwungen.

Und als nächstes?

Insgesamt 115 Tunnels hat das Streckennetz der RhB vorzuweisen, mehr als die Hälfte davon müssen aufgrund ihres Alters saniert werden. Neben kleineren Sanierungsarbeiten läuft mit dem Neubau des Albulatunnels derzeit eines der grössten Projekte, das die Rhätische Bahn je umgesetzt hat. Seit 2015 sind die Bauarbeiten für den neuen Tunnel auf der UNESCO Welterbestrecke zwischen Spinas und Preda im Gange, die ersten Züge sollen 2022 durch den Berg rollen. Mit dem Durchstich wurde am 2. Oktober letzten Jahres der bislang grösste Meilenstein des Projekts erreicht. Mehr zu diesem historischen Moment gibt es in der aktuellen Ausgabe des «Contura» zu sehen und zu lesen.

2 Kommentare

Fabian Richard 19.11.2019

Herzliche Gratulation! Die RhB ist eine tolle und für Graubünden und die Schweiz eine extrem wichtige Institution. Sie ist dient vorallem den Eisenbahnkunden. Der Vereina ist doch neben dem Autoverlad ein wichtiges Glied im Bahnbetrieb, wichtig für gute Verbindungen ins Engadin und ins Val Müstair. Weshalb ist der Fokus in dem Artikel einzig auf den Autoverlad gerichtet?

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Reply Admin Profile Rhätische Bahn (RhB) 19.11.2019

Allegra Herr Richard, vielen Dank für Ihre nette Nachricht! Selbstverständlich ist der Vereina, ergänzend zu seiner Funktion als Autoverlad, auch sonst wichtig für die Rhätische Bahn. Der Tunnel eröffnet – wie Sie richtig sagen – beste Verbindungen ins Engadin (und darüber hinaus), ob mit oder ohne Auto. Unser Fokus richtet sich hier stärker auf den Vereina als bedeutsamer Faktor im Sinne einer «rollenden Strasse» und Achse für Personen- und Gütertransport, weil der Tunnel ganzjährig (also auch im Winter, wenn der Flüelapass gesperrt ist) eine sichere Erschliessung des Engadins garantiert. Zugleich ist der Vereina natürlich eine willkommene alternative Reiseroute für Mensch und Auto ins Engadin. Herzliche Grüsse

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