10 Fragen an...

Beat Caviezel, Stv. Leiter Betrieb / BEIM in Samedan

Bianca Kohler, Fachspezialistin Online und Mobile, 28. Juli 2020

1 Wofür steht BEIM? Was machst du bei der RhB?

Das BEIM (Betriebliches Ereignis- und Interventionsmanagement) birgt Aufgaben und Verantwortungen, welche zusätzlich zu den Hauptaufgaben den einzelnen, zuständigen Personen zugeteilt werden.

In meinem Fall sieht dies wie folgt aus:

Meine Hauptaufgabe wird als Stv. Leiter Betrieb in Samedan bezeichnet. Wir betreuen die Bahnhöfe Samedan, St. Moritz und Pontresina sowie das Güterumschlagszentrum Oberengadin (GUZO). Wir führen das Betriebspersonal sowie die Mitarbeitenden des mobilen Kundendienstes. Aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit beim Neubau des Albulatunnels, vertrete ich noch den dortigen Leiter Betrieb während seiner Abwesenheit.

Ich kümmere mich hauptsächlich um die betrieblichen Belange und Abläufe des Bahnhofs und Güterumschlagszentrums in Samedan sowie um die Anliegen meiner Mitarbeitenden (Führung des Rangierpersonals und Mitarbeiter Kundendienst).

Dazu kommen noch weitere Arbeiten, welche wir vor Ort für andere Geschäftszweige der RhB erledigen (z.B. Immobilien, Hochbau etc.)

Zusätzlich werde ich bei einem Ereignis als Mitarbeiter BEIM zugezogen. Im Störungsfall sind wir der verlängerte Arm der Betriebsführung (RCC) und stellen die Ereignisbewältigung vor Ort, bzw. deren Koordination, sicher.

2 Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Den «typischen» Tag gibt es bei mir nicht. Das macht meinen Beruf spannend und abwechslungsreich. Dies bedingt Flexibilität und lässt keine 100-prozentige Tagesplanung zu. Kommt es zu einem Vorfall, zu einer Störung oder gar zu einem Unfall, gilt es, alles stehen und liegen zu lassen, um in angemessener Zeit vor Ort einzutreffen und die nötigen Massnahmen einzuleiten.

3 Welches sind deine Lieblingsaufgaben?

Mein Alltag birgt so viele spannende und herausfordernde Aufgaben; es ist schwer, mich auf etwas festzulegen. Mit grosser Freude plane ich jedoch Grossanlässe wie beispielsweise den Engadin Skimarathon. Ebenfalls war die betriebliche Planung der Versorgungszüge zu und von den Baustellen des Neubaus Albulatunnel spannend und herausfordernd. Hier kann ich meine langjährigen Erfahrungen und mein Wissen in vielen Bereichen gezielt einsetzen.

Ich denke, das Gesamtpaket meiner Aufgaben macht es aus. Es ist spannend, bietet Abwechslung und macht manchmal auch Ärger.

4 Hattest du schon einmal einen Störungsfall? Welches Ereignis ist dir speziell in Erinnerung geblieben?

Einen grösseren Störungsfall hatte ich zum Glück noch nicht. An kleineren Störungen wie Lampendefekte, Signal-, Weichen-, Isolierungs- und Schrankenstörungen etc. kommt kein BEIM vorbei.

Speziell bleibt jedoch der Flugzeugabsturz von 2010 beim Bahnhof in Bever in Erinnerung.

Damals war das BEIM noch nicht in seiner heutigen Struktur organisiert. Heute wäre dies ein klarer Fall für das BEIM. Ich lag nach einem Frühdienst auf dem Sofa, als ein Business-Jet ca. 70 Meter neben meiner Couch abstürzte. 

5 Gibt es BEIM an allen Bahnhöfen?

BEIM-Mitarbeiter sind im ganzen Kanton stationiert und decken das ihnen zugewiesene Gebiet ab. Bei der RhB haben wir in Chur, Landquart, Davos Platz, Preda, Scuol-Tarasp und Samedan Stützpunkte.

6 Wie seid ihr im Team organisiert?

Die Koordinationsstelle BEIM ist in Chur. Diese bietet die Mitarbeiter BEIM in den Regionen auf.

Bei kleineren Störungen an den Bahnanlagen werden wir meistens direkt vom RCC aufgeboten.

An unserem Stützpunkt in Samedan arbeiten wir zu dritt. Unser Vorgesetzter hat sein Büro in St. Moritz und mit einem weiteren Mitarbeiter arbeite ich in Samedan.

7 Vor dieser Stelle warst du auf der Baustelle des Albulatunnels in Preda beschäftigt. Was hast du dort gemacht?

Zu zweit waren wir vor Ort für die betrieblichen Belange die Ansprechpersonen der RhB für die Baustelle der Arbeitsgemeinschaft Neubau Albulatunnel II.

Unser Aufgabenbereich umfasste die Logistik, die Planung und Ausführung aller Transporte mit Extrazügen zu und von den Baustellen Preda und Spinas.

Zu Baubeginn als das Rangierpersonal für die Baustellenzüge noch nicht ausgebildet war oder später, wenn «Not am Mann» war, haben wir auch die Rangieraufgaben wahrgenommen.

Das Spannende an dieser Tätigkeit war, dass diese Stellen in dieser Form bei der RhB vorher nicht existierten. Da uns anfangs sehr viel Unbekanntes erwartete, hatten wir freie Hand, wie wir unseren Arbeitstag und die Erledigung der anfallenden Arbeit organisieren. Für mich persönlich ist oder war es eine einmalige Erfahrung.

8 Wieso bist du nun nicht mehr dort? Warum hast du gewechselt?

Bedingt durch den Baufortschritt des neuen Albulatunnels hat der Arbeitsaufwand nach und nach abgenommen. Dadurch war es nicht mehr nötig zwei 100%-Stellen in Preda zu besetzen.

Mein Vorgänger in Samedan stand kurz vor der Pensionierung und ein Nachfolger wurde gesucht. Da ich im Engadin wohne, war diese frei werdende Stelle für mich ein Glücksfall und ich konnte diese ohne Wohnortwechsel antreten.

9 Welche Qualifikationen/Ausbildung braucht man in deinem Job? Welche Qualitäten sind für deine Aufgaben besonders wichtig?

Für die Bewältigung unserer täglichen Aufgaben sind fundierte Kenntnisse des Bahnbetriebs, vernetztes Denken, Zugsumlauf-, Fahrplan- und Netzkenntnisse, Personalplanung- und führung, Störungsmanagement, Belastbarkeit, Flexibilität, Zuverlässigkeit und Empathie wichtig.

Alle BEIM-Mitarbeiter haben eine Ausbildung zum (Bahn-)Betriebsdisponenten durchlaufen und anschliessend viele Jahre in betrieblichen Berufen bei der RhB gearbeitet.

10 Bildet ihr auch Lehrlinge aus?

Lernende werden lediglich an den beiden BEIM-Stützpunkten Chur und Davos Platz ausgebildet. In Samedan werden keine Lernenden ausgebildet.

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