Region

Alp Grüm: Ausflugsziel in der Abgeschiedenheit

Sie ist bekannt für ihre einmalige Aussicht auf das Valposchiavo: die Alp Grüm – Bahnstation, Restaurant und Hotel in einem. Doch wie ist aus dem einstigen Maiensäss eigentlich ein berühmter Bahnhof geworden?

Erika Suter, Redaktorin, 09. November 2019

Wie ruhig muss es hier oben gewesen sein, wie unberührt die Natur, damals vor über hundert Jahren, als die Bahnstrecke vom Bernina hinunter ins Valposchiavo noch nicht existierte. Das Maiensäss auf etwas mehr als 2 000 m ü. M. war dazumal nur zu Fuss über Saumpfade erreichbar. Noch heute stockt einem auf Alp Grüm in Anbetracht der Naturschönheiten fast der Atem: Der Blick wandert über Murgänge hinweg hinunter zur Alp Palü mit ihrem türkisfarbenen Gletschersee, weiter zu den Lärchenwäldern und den darin versteckten Gletschermühlen, und gleitet dann in die Ferne bis zu den Bergamasker Alpen. Seit 1910 mittendrin: die Gleise der Berninabahn, die sich in steilen Spitzkehren durch die Landschaft hinunter nach Poschiavo und weiter nach Tirano schlängeln.

Eröffnet wurde die Strecke zwischen Ospizio Bernina und Poschiavo am 5. Juli 1910 von der Bernina-Bahngesellschaft (BB). Die BB war fünf Jahre zuvor mit dem Ziel gegründet worden, St. Moritz via Berninapass mit Tirano zu verbinden. Ab 1908 wurden nach und nach verschiedene Teilabschnitte der Strecke eröffnet; mit der Eröffnung des schwierigsten Abschnitts – von Ospizio Bernina nach Poschiavo – wurde anfangs Juli 1910 dann schliesslich die Gesamtstrecke vollendet. Damals gab es in Alp Grüm nur ein kleines Stationsgebäude, ein einfacher Holzbau mit Schindelverkleidung, das gleichzeitig als «Post-Ablage Alp Grüm» diente. Später kamen zwei grössere Holzbauten hinzu, die als Restaurant dienten. Auf alten Postkarten aus dieser Zeit sind elegant gekleidete Damen und Herren an weiss gedeckten Tischen auf der Terrasse zu sehen. Im Sommer 1923 wurde dann innert kürzester Zeit das bis heute äusserlich fast unveränderte, markante Steinhaus erbaut, das aus der kleinen Bahnstation einen stattlichen Bahnhof machte. Doch trotz Restaurant, der Einführung von Speisewagen und Pauschalangeboten für Touristen blieb die kleine Bernina-Bahngesellschaft in finanziellen Schwierigkeiten und wurde schliesslich 1943 – mitten im Zweiten Weltkrieg – von der Rhätischen Bahn übernommen.

Bis heute hat sich Alp Grüm etwas von ihrer idyllischen Abgeschiedenheit erhalten: Sie ist ganzjährig nur mit der Bahn und im Sommer via Saumweg erreichbar, dieser ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Das landschaftsprägende Restaurant und Hotel wird den aktuellen Ansprüchen aber durchaus gerecht, schliesslich wurde das Hausinnere im Jahr 2013 umfassend renoviert. Statt Massenlager und Etagenduschen gibt es jetzt alpinen Charme mit Eichenholz und Bäder in den Zimmern. Und so ist Alp Grüm zum beliebten Ausflugsziel für Tagesausflügler und Ferienreisende geworden.

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