Kurz erklärt

Alleinarbeits-App als Lebensretterin

Wie in vielen Branchen kommt es auch bei der Rhätischen Bahn immer wieder vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alleine arbeiten. So zum Beispiel das Lokpersonal. Was aber, wenn ein Lokführer plötzlich bewusstlos wird?

Tobias Hohl, IT-Projektleiter & David Rudolf, Spezialist betriebliche Sicherheit, 17. November 2020

Für den Fall der Fälle gibt es bei der RhB jetzt die «Alleinarbeits-App».

Jeder, der schon mal alleine unterwegs war, zum Beispiel auf einer Wanderung, kennt es: Die Befürchtung, dass es niemand bemerkt, falls einem etwas zustösst. Als Lokführer/in ist man aber nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern trägt auch noch die Verantwortung für einen kompletten Zug voller Fahrgäste. Und egal, wie unvorstellbar uns das Szenario auch erscheinen mag: Jeder von uns kann innerhalb kürzester Zeit in ernstzunehmende Gefahr geraten. Personen, die alleine und ausser Sicht- und Rufkontakt zu anderen Personen arbeiten, zum Beispiel Lokführer/innen oder Gleisarbeiter, müssen drauf vertrauen können, in kritischen Situationen schnell Unterstützung zu bekommen – zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit der Fahrgäste. Damit im Ernstfall sofort Hilfsmassnahmen eingeleitet werden können, gibt es bei uns jetzt die «Alleinarbeits-App». 

Die App funktioniert nach einem simplen Prinzip: Bewegt sich eine Person nicht mehr, löst die App nach zwei Minuten einen Alarm aus. Wenn die betroffene Person den Alarm nicht quittiert, schickt die App automatisch einen Notruf ans Rail Control Center (RCC) in Landquart. Die Mitarbeitenden vor Ort beurteilen die Lage und leiten sofort die notwendigen Massnahmen ein. Dieses Szenario wird innerhalb kürzester Zeit abgearbeitet, so dass im Fall der Fälle auch allein arbeitende Personen so schnell wie möglich Hilfe bekommen. 

Zusätzlicher Vorteil: Die Risikobeurteilungs-Hilfe

Die App kann aber auch als Risikobeurteilungs-Hilfe eingesetzt werden. Bevor die App gestartet wird, stellt sie den Anwenderinnen und Anwendern acht Fragen zur Arbeit und der Umgebung, in der diese stattfindet. Damit unterstützt sie die Mitarbeitenden, präventive Massnahmen für möglichst risikofreies Arbeiten zu entwickeln.

No news sind good news

Unsere Alleinarbeits-App ist seit mehr als einem halben Jahr verfügbar und kann von allen Mitarbeitern freiwillig verwendet werden. Je nach Tätigkeit und Risikobeurteilung ist der Einsatz der App obligatorisch. Der Applikationsverantwortliche David Rudolf kann allerdings nicht sagen, ob die Anwender sie freiwillig nutzen. «Bei der App sind no news tatsächlich good news: Bisher gab es noch keinen Alarm und auch keinen Fehlalarm, und das bei mehr als 400 Mitarbeitenden, die die App bereits auf ihrem Smartphone installiert haben. Das sind für uns wirklich gute Nachrichten.» Allerdings, so der Sicherheitsbeauftragte, muss jedem auch klar sein, dass die App kein Ersatz für eine Lagebeurteilung durch einen Menschen ist. «Wenn ein gefährlicher Einsatz bevorsteht, muss man generell alle Sicherheitsmassnahmen beachten und nicht denken, mit der App sei man sicher. Die App kann einen unterstützen und stellt die Alarmierung sicher wenn in Alleinarbeit gearbeitet werden muss.» 

Wir finden die Alleinarbeits-App sehr wichtig, und so werden wir in Zukunft noch mehr Zeit investieren, damit die App technisch immer auf dem neuesten Stand ist und bald auch noch mehr Funktionen bietet. David Rudolf testet die App aktuell einmal monatlich sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte. Natürlich nicht, ohne vorher das RCC zu informieren, falls es einen Fehlalarm auslöst – damit die Liste der News weiterhin leer bleibt.

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