Blick zurück

130 Jahre Bündner Bahnvergnügen – und wer hat’s erfunden?

Es war kein Schweizer, sondern ein Flachländer, ein Seefahrer noch dazu, der Ende des 19. Jahrhunderts die Bündner Eisenbahngeschichte ins Rollen brachte.

Erika Suter, Redaktorin, 09. Oktober 2019

1888 gründete der Holländer Willem Jan Holsboer die Bahngesellschaft «Schmalspurbahn Landquart – Davos AG» und legte damit den Grundstein für die Entwicklung der Rhätischen Bahn (RhB). Noch im selben Frühjahr konnte mit den Bauarbeiten an der ersten Teilstrecke der späteren RhB begonnen werden. Der niederländische Kapitän und Kaufmann war 1867 nach Davos gekommen, wo seine tuberkulosekranke Frau an der frischen Bergluft gesunden sollte. Leider siegte die Krankheit, doch Holsboer blieb seiner neuen Heimat auch nach dem Tod der Gattin erhalten – zum Glück für das Bündner Eisenbahnwesen. Dem umtriebigen Unternehmer ist es zu verdanken, dass heute vor genau 130 Jahren, am 9. Oktober 1889, der erste fahrplanmässige Zug von Landquart nach Klosters dampfte.

Leicht verspätet ...

Eigentlich war es üblich, Streckeneröffnungen jeweils am ersten des Monats stattfinden zu lassen, doch ein Hangrutsch in Klosters machte den Planern im Herbst 1889 einen Strich durch die Rechnung. Mit gut einer Woche Verspätung erfolgte am 9. Oktober die offizielle Betriebsaufnahme. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass eine Lokomotive aus Landquart im damaligen Sackbahnhof Klosters einfuhr: Ein Eröffnungszug mit geladenen Gästen hatte die Strecke bereits zehn Tage zuvor, am 29. September 1889, unter die Räder genommen. Mit 272 PS brachten die beiden Lokomotiven G 3/4 Nr. 1 und 3 die illustre Besatzung bei ihrem ersten offiziellen Einsatz sicher ans Ziel. Bereits ab Sommer 1890 wurde auch Davos Platz erreicht: Gerade einmal vier Züge pro Tag verkehrten damals auf der 50 Kilometer langen Strecke der Schmalspurbahn Landquart-Davos (LD). Während die Bergfahrt durchs Prättigau drei bis vier Stunden dauerte – je nach Anzahl der Tankstopps für die Dampflokomotiven –, nahm die Talfahrt eine bis eineinhalb Stunden weniger in Anspruch.

... doch genau zum richtigen Zeitpunkt

Die Aufnahme des Bahnbetriebs kam für Graubünden gerade rechtzeitig: Die Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 hatte den Transitverkehr quasi von heute auf morgen lahmgelegt, der Kanton drohte den Anschluss zu verlieren. Dem Einsatz und ambitionierten Unternehmergeist von Willem Jan Holsboer ist es zu verdanken, dass sich die RhB heute als rote Lebensader durch die spektakuläre Bündner Landschaft zieht und sich selbst in die entlegensten Ortschaften Graubündens ihren Weg bahnt. Die bescheidenen 50 Kilometer der ersten Teilstrecke sind inzwischen auf ein 384 Kilometer langes Streckennetz angewachsen, dazu kommen 115 Tunnels und 624 Brücken. Auch wenn der Grundstein für diese eindrückliche Leistung ursprünglich von einem Holländer gelegt wurde, ein Grund zum Feiern sind 130 Jahre Bahnkultur in Graubünden allemal. In diesem Sinne: Happy Birthday, RhB!

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